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Patienten mit Diabetes interdisziplinär betreuen

Abstract zum Vortrag von Dr. med. Heinz-Jürgen Rüßmann, Tagungspräsident, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft niedergelassener diabetologisch tätiger Ärzte (AND) e.V., Praktischer Arzt mit dem Schwerpunkt Diabetes, Dinslaken, im Rahmen der Pressekonferenz zur Veranstaltung: AND-Symposium für Praktische Diabetologie/Herbsttagung-DDG am 2. November 2006 in Berlin.

Dialog zwischen Fach- und Hausärzten fördern

Dr. med. Heinz-Jürgen Rüßmann Der Diabetes mellitus Typ 2 stellt eine zunehmende Herausforderung - nicht nur im ökonomischen Bereich, sondern vor allen Dingen auch in der qualitativen Betreuung von Patienten mit Diabetes - dar.

Die Zahl von Menschen mit Diabetes nimmt nicht nur in Deutschland ständig zu, sondern wir sehen auch eine zunehmende Verschiebung des Diabetesmanifestationsalters in die jüngeren Jahrgänge. Dies bedeutet, dass Menschen über einen langen Lebenszeitraum mit Diabetes behaftet sind und die Gefahr der Entstehung von diabetischen Folgeerkrankungen zu erwarten ist. Leider sehen wir auch aufgrund des zunehmenden Körpergewichts eine negative Entwicklung, welche im Rahmen der viszeralen (androiden) Fettverteilung ein zunehmendes kardiovaskuläres Risiko beinhaltet.

Umso wichtiger ist, dass die Deutsche Diabetes-Gesellschaft zum zweiten Mal die Herbsttagung DDG als AND-Symposium für Praktische Diabetologie ausrichtet, die sich insbesondere der ambulanten Versorgung von Patienten mit Diabetes widmet. Uns allen ist bewusst, dass primär der Hausarzt die Patienten mit Diabetes betreut und umso wichtiger ist es, dass eine fachkompetente Therapie und Diagnostik frühzeitig eingesetzt wird. Der Dialog zwischen Hausarzt, Diabetologen, aber auch interdisziplinär mit Kardiologen, Angiologen, Gefäßchirurgen, Neurologen usw. muss zunehmend intensiviert werden, da es sich bei dem Diabetes mellitus vorwiegend um eine Gefäßerkrankung handelt. Das blutzuckerzentrierte Weltbild haben wir längst verlassen, und uns allen ist bewusst, dass die Gefäße beim Diabetes im Mittelpunkt stehen sollten mit allen Folgen, ohne die Blutzuckereinstellung zu vernachlässigen.

Die Herbsttagung DDG widmet sich deshalb in diesem Jahr besonders den kardio-vaskulären Ereignissen, die sowohl von der pathophysiologischen als auch von der klinischen Seite betrachtet werden. Fachkompetente Referenten - die hautnah am Patienten behandeln - werden referieren. Die diabetische Neuropathie, die häufig primär verkannt wird, stellt einen weiteren Schwerpunkt dar, und weitergehend das diabetische Fußsyndrom bis hin zu schwersten Fußveränderungen mit der Gefahr von Amputationen werden praxisnah erörtert. Selbstverständlich berührt uns auch die Berufspolitik, mit der vor allen Dingen im niedergelassenen Bereich wir Ärzte kämpfen müssen. Die letzten Ereignisse hinsichtlich Verordnung von schnell wirksamen Analoginsulinen für Typ-2-Diabetiker ist nur ein Beispiel. Die Versorgung der Patienten mit Diabetes ist nicht nur gefährdet, weil die erforderlichen finanziellen Ressourcen anscheinend nicht mehr zur Verfügung stehen, sondern weil wir auch nicht mehr in der Lage sind, die große Zahl von Patienten mit Diabetes adäquat zu behandeln.

Umso wichtiger ist es, dass wir die Fortbildung fördern, die Zuckerkrankheit als Volkskrankheit wahrnehmen und im Rahmen der Prävention versuchen Folgeerkrankungen zu verhindern.

Im Jahr 2006 haben wir ca. 6,5 Mio. Typ-2-Diabetiker, die bereits erkannt sind und die Dunkelziffer dürfte bei circa 2 bis 3,5 Mio. liegen. Im Jahr 2010 wird wohl jeder neunte oder zehnte Bundesbürger an einem Diabetes mellitus Typ 2 erkrankt sein!

Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft hat deshalb mit der Herbsttagung DDG eine wichtige Fortbildungsplattform für Ärzte und für diabetesbetreuende Berufe entwickelt.

Dies ist ein wichtiger Beitrag zur Aufklärung, praxisnahem Wissenstransfer für die Beteiligten und Umsetzung in der Praxis.

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Bildunterschrift: Dr. med. Heinz-Jürgen Rüßmann
Bildquelle: Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG)

zuletzt bearbeitet: 02.11.2006 nach oben

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