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Wenn Lebensmittel den Körper reizen

Nahrungsmittelunverträglichkeiten können chronische Beschwerden wie Typ-1-Diabetes auslösen

Die Ursachen für die Zunahme an Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind vielfältig und geben bis heute zahlreiche Rätsel auf. Zum einen kommen veränderte Ernährungsgewohnheiten wie "neue" Lebensmittel, zum Beispiel exotische Früchte, in Betracht, andererseits spielen das Stillen des neugeborenen Säuglings sowie die genetische Prädisposition eine entscheidende Rolle. Häufig ist auch eine Schädigung des Darms durch Medikamente oder Infektionen Ursache für das Auftreten einer Nahrungsmittelunverträglichkeit, berichtet heute Diplom Ernährungswissenschaftlerin Irina Baumbach von der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V. aus Aachen.

Bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten spricht man von Unverträglichkeitsreaktionen des menschlichen Körpers nach dem Verzehr von Lebensmitteln. Unter diesem Begriff verbirgt sich eine Vielzahl von Erkrankungen, die sich sowohl hinsichtlich ihrer Ursachen als auch ihrer Therapie unterscheiden. Generell werden nicht-immunologische (Lebensmittelintoxikationen, Stoffwechselerkrankungen und pseudoallergische Reaktionen) von immunologischen Reaktionen (Nahrungsmittelallergie Typ I und Typ III) unterschieden. Unverträglichkeiten vom Allergietyp III sind im Gegensatz zu IgE-vermittelten Typ I-Allergien IgG-mediiert und treten zeitverzögert, das heißt mehrere Stunden nach der Aufnahme, auf.

Nahrungsmittelallergien vom Typ III sind häufig mit zahlreichen chronischen Beschwerden verbunden. Dazu zählen in erster Linie Morbus Crohn, Reizdarmsyndrom, Diabetes mellitus Typ I, das chronische Müdigkeitssyndrom, Migräne, Dermatitis und Übergewicht. Viele unspezifische Symptome, beispielsweise Kopfschmerzen, Erbrechen, Durchfall oder Übelkeit werden nicht auf Unverträglichkeitsreaktionen zurückgeführt oder dahingehend untersucht. Das erschwert einerseits die Diagnosemöglichkeiten für diese Erkrankungen, andererseits sind die sich an die falsche Diagnose anschließenden Therapien häufig medikamentenkonzentriert und nur in seltenen Fällen zufriedenstellend. Diese Tatsache wird durch die oftmals stattfindende Symptom- statt Ursachenbekämpfung verstärkt.

Die Hürde dieser Erkrankungen liegt also weniger in der Therapie als vielmehr in der Diagnose. Ist erst einmal eine Nahrungsmittelunverträglichkeit diagnostiziert, ist die Therapie verhältnismäßig "einfach" und praktikabel. Das Meiden unverträglicher Lebensmittel lässt die Beschwerden völlig verschwinden. Auch eine Heilung ist möglich. Diesbezüglich ist die Forschung angehalten, die bislang ungeklärten Mechanismen der Pathogenese aufzuklären, Allergene in Lebensmitteln zu identifizieren und geeignete Diagnose- sowie Therapiekonzepte zu entwickeln. Auf der anderen Seite ist es von enormer Wichtigkeit die Bevölkerung über Nahrungsmittelunverträglichkeiten genauer aufzuklären und gerade im Hinblick auf die Hinterfragung vorliegender unspezifischer Symptome zu sensibilisieren, so Baumbach abschließend.

zuletzt bearbeitet: 19.10.2006 nach oben

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