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Bundesausschuss entscheidet gegen die Kassenpatienten

Pressemitteilung: Novo Nordisk Pharma GmbH

Typ-2-Diabetikern werden bewährte Medikamente entzogen

In seiner heutigen Sitzung (am 18.07.2006, Anm. d. Red.) hat der Gemeinsame Bundesausschusses (G-BA) beschlossen, die Verordnungsfähigkeit für kurz wirksame Insulinanaloga für Typ-2-Diabetes Patienten aufzuheben. Auf der Grundlage einer wissenschaftlich umstrittenen Nutzenbewertung durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) führt diese Entscheidung zu dem Präzedenzfall einer Leistungsausgrenzung zu Lasten von GKV-Patienten und damit zu einer Zwei-Klassen-Medizin in der Diabetes-Therapie. Zusätzlich verschärft wird dieser Beschluss durch die Aufhebung des Bestandsschutzes für 400.000 heute mit diesen modernen Insulinen behandelte Patienten. Diese sollen nach dem Willen des G-BA trotz guter Diabeteseinstellung wieder zurück auf Humaninsuline umgestellt werden.

Allein kurzfristige finanzielle Motive waren für die Entscheidung maßgeblich, wobei die Höhe der Einsparungen völlig unrealistisch ist. "Der G-BA lädt hohe Verantwortung auf sich, wenn er kurzfristig einspart, jedoch langfristig die Kosten, die durch Folgeerkrankungen, wie z. B. Erblindung, Amputationen und Nierenversagen entstehen, vollkommen außer Acht lässt" führte Dr. med. Markus Leyck Dieken, Geschäftsführer von Novo Nordisk Deutschland, an. Diese sind, wie in vielen Studien gezeigt, mit einem Anteil von über 50 Prozent die eigentlich kostenintensiven Faktoren der Diabetesbehandlung. "Jetzt wird jeder gesetzlich Versicherte in den kommenden Wochen mit seiner Kasse kämpfen müssen, um weiterhin ein Insulin zu erhalten, welches andernorts in Europa ohne Zögern mehrheitlich eingesetzt wird."

Verschärfend kommt hinzu, dass die vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen angewandte Methodik der Nutzenbewertung, wie von Expertenseite aufgezeigt, gravierende Versäumnisse aufweist und dadurch zu einem falschen Ergebnis führt. Eine Bewertung der Therapiekosten durch den G-BA auf Basis des Apothekenverkaufspreises ist darüber hinaus sachlich falsch, da die Dosiseinsparungen unter einer Therapie mit modernen Insulinen nicht berücksichtigt werden. "Für einen Vergleich der Gesamtkosten müssten vielmehr die tatsächlichen Erstattungen durch die GKV herangezogen werden. Die Entscheidung ist daher sowohl medizinisch als auch ökonomisch falsch", so Dr. Leyck Dieken.

Darüber hinaus müsse vor weiteren Forderungen nach Preissenkung "zu allererst die Wertigkeit der neuen Insuline anerkannt werden, wie dies durch ähnliche Prüf-Instanzen in anderen Ländern bereits geschehen ist." Unverständlich ist, dass der Beschluss nicht einmal eine Zuzahlung durch die Betroffenen ermöglicht, denn schließlich handelt es sich um circa 25 Cent täglich, die durchschnittlich pro Patient gespart werden sollen. Nunmehr stünden moderne Insuline nur noch privat Versicherten offen.

Insulin-Analoga kommen dem Wirkprofil von körpereigenem Insulin bei Menschen ohne Diabetes sehr nahe. In fast allen europäischen Ländern ist die Therapie mit kurz wirksamen Insulinanaloga die Standardtherapie für Diabetes-Patienten. Sie berichten darüber, wie diese Insuline ihr Leben positiv verändern, ihnen neue Lebensqualität schenken und ihre Therapie deutlich verbessern. Den deutschen GKV-Patienten werden diese Verbesserungen in ihrer Diabetestherapie, die sie durch konsequentes Selbstmanagement täglich erfahren, ohne wissenschaftliche Begründung entzogen.

Novo Nordisk, der weltweit führende Hersteller von Insulin, bedauert den Beschluss zur Aufhebung der Verordnungsfähigkeit von kurz wirksamen Insulinanaloga für den Großteil der Typ-2-Diabetiker durch den G-BA zutiefst. Dr. Leyck Dieken ist überzeugt, dass die Umsetzung dieses Beschlusses massive Nachteile für die Diabetestherapie und die gesamte Gesundheitsversorgung in Deutschland bringen wird. "Diabetes ist die am schnellsten wachsende Krankheit in der westlichen Welt. Es ist eine tickende Zeitbombe. Deshalb dürfen wir nicht zulassen, dass eine der effektivsten Waffen gegen diese Krankheit über Bord geworfen wird," fasst Dr. Markus Leyck Dieken sein Statement zusammen.

zuletzt bearbeitet: 21.07.2006 nach oben

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