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Schweinezellen und -organe für Menschen

Pressemitteilung: Robert Koch-Institut (RKI)

Warum, wo, wer und wann? Internationales Symposium Xenotransplantation im RKI

Die Xenotransplantation, die Übertragung von Zellen und Organen von Tieren auf den Menschen, rückt näher an die klinische Anwendung. Das zeigen neue Ergebnisse, die auf dem Internationalen Symposium Xenotransplantation am 8./9. Juni 2006 im Robert Koch-Institut vorgestellt werden. So berichtet Bernhard Hering von der Universität Minnesota in den USA von der Übertragung von Inselzellen des Schweins auf Affen, die an Diabetes erkrankt waren, und damit erfolgreich behandelt werden konnten.

Als Vorstufe zur klinischen Anwendung beim Menschen sind auch Übertragungen von Schweineherzen auf Paviane zu verstehen. In diesen Studien erreichte Christopher McGregor von der renommierten Mayo-Klinik in den USA beachtliche Überlebenszeiten der Affen, die vergleichbar sind mit den Überlebenszeiten vor Beginn der Transplantationen von Spenderherzen beim Menschen in den Sechzigerjahren.

Xenotransplantation soll den Mangel an Organspendern beheben helfen. Schweine sind wegen ihres Stoffwechsels, der dem des Menschen ähnelt, wegen der vergleichsweise großen mikrobiologischen Sicherheit und aus Kostengründen die favorisierten Spendertiere. "Hindernisse für die Xenotransplantation sind die Abstoßungsreaktionen des Immunsystems, die physiologischen Unterschiede zwischen Tier- und Menschenorganen und die mögliche Übertragung von Mikroorganismen", sagte Reinhard Kurth, Präsident des Robert Koch-Instituts, anlässlich der Tagung.

Sogenannte porcine endogene Retroviren (PERV) stellen ein besonderes Problem dar, da sie in allen Schweinen vorhanden sind und menschliche Zellen infizieren können. Umfassende Untersuchungen der Arbeitsgruppe von Joachim Denner am Robert Koch-Institut zur Virussicherheit, insbesondere die Entwicklung diagnostischer Verfahren und von Strategien zur Verhinderung der Übertragung von PERV, haben hier in den vergangenen Jahren wichtige Fortschritte erbracht.

Auch bei der Verringerung der Abstoßungsreaktionen, Hauptthema der von Bruno Reichart aus München koordinierten "DFG-Transregio-Forschergruppe Xenotransplantation" gab es in den letzten Jahren wichtige Fortschritte. Bei dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Vorhaben sind bereits mehrfach gentechnisch veränderte Schweine entstanden, und weitere Strategien zur Verhinderung der Abstoßung werden entwickelt. So gewann Heiner Niemann von der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft erstmals in Deutschland Schweine mit drei verschiedenen menschlichen Proteinen, die die längerfristige Akzeptanz des fremden Gewebes verbessern sollen.

Das bisher größte Symposium zum Thema Xenotransplantation in Deutschland ist gleichzeitig eine Tagung der Transregio-Forschergruppe Xenotransplantation und stellt das 9. Minisymposium Xenotransplantation der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Xenotransplantation (DAX) dar. Die von Joachim Denner und Ralf Tönjes (Paul-Ehrlich-Institut) geleitete DAX ist eine interdisziplinäre Plattform von Transplantationschirurgen, Immunologen, Physiologen, Veterinärmediziner, Mikrobiologen, Virologen und andere Grundlagenforscher, Ethikern, Vertretern des öffentlichen Lebens, der Industrie und der Behörden.

Diese Pressemitteilung wurde über den - idw - versandt.

zuletzt bearbeitet: 08.06.2006 nach oben

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