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Umsetzung der Ernährungstherapie in die Praxis

Abstract zum Vortrag von Dr. rer. medic. Nicola Haller im Rahmen eines Symposiums von Abbott Diabetes Care auf der 41. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) in Leipzig.

Ernährungs-Schulungssystem auf der Basis evidenzbasierter Leitlinien

Dr. rer. medic. Nicola Haller In der Diskussion steht, die Realitätsnähe von Ernährungsempfehlungen basierend auf wissenschaftlichen Grundlagen zu recherchieren. Dabei steht die Beratungspraxis vor der Herausforderung die Empfehlungen im Kopf der Patienten zu bewegen. Oder anders formuliert - welche Inhalte werden in welchem Zeitraum so vermittelt, dass diese vom Patienten nicht nur verstanden, sondern auch im Alltag umgesetzt werden können. So ist die Beratungs- und Schulungskraft ständig auf der Suche nach Verbesserungen und Ergänzungen im Sinne der praxisnahen Beratung.

Den Richtlinien des Gesundheitsberichtes der DDU 2006 folgend ist Bewegung und Ernährungsverhalten als zwei der drei Therapiesäulen bei der überwiegenden Patientengruppe mit Typ 2 Diabetes zutreffend (Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2006). "Alle angedachten Präventionsgesetze und Initiativen (NAFDM) müssen darauf hinarbeiten, unsere Umwelt so zu gestalten, dass der 'gute Futterverwerter' weniger in Gefahr gerät, seine sparsame Erbausstattung voll auszuleben, wie dieses auch im Schulungssystem nach den Evidenz-basierten Leitlinien für Ernährung bei Diabetes mellitus verankert steht::

  1. Kohlenhydrate machen nicht dick, haben aber einen unübersehbaren Einfluss auf den Blutzucker. Dieser Konflikt besteht bezüglich der hohen Kohlenhydratanteile in der prozentualen Empfehlung von 45-60 %. Patienten mit einer konventionellen Insulintherapie erzielen bei 60 % Kohlenhydratanteil ca. 30 Kohlenhydratportionen (BE/KE). Dagegen liegen 45 % Kohlenhydrate deutlich näher an der Menge der tatsächlich verzehrsüblichen Kohlenhydratempfehlung und werden damit umsetzbar. Die Studienlage belegt eindeutig den längerfristigen Effekt kohlenhydratreicher Diäten im Vergleich zu kurzfristigen anderen "Diätformen" mit anderen Nährstoffrelationen.* Die Kohlenhydratkalkulation, welche bei Typ-2-Diabetes ohne Insulinbebehandlung vernachlässigt werden darf, bringt für viele dieser Patienten jedoch unterstützend einen gewissen Einblick der Kohlenhydratreaktionen in der Tagesbilanz.

  2. Die tatsächliche Ballaststoffaufnahme pro Tag liegt bei den meisten Patienten weit unter der empfohlenen Menge von 40 g Ballaststoffen pro Tag oder 20 g/1000 kcal. Die vernachlässigte Aufnahme von Vollkornbrot und frischem Gemüse sind die auffälligsten Abweichungen für den Sollverbrauch. Der Tatbestand glykämischer Index bedeutet für viele Patienten ein Umdenken und erfordert in der Schulungsarbeit viele praktische Beispiele als Unterstützung. Eine Verbesserung der gykämischen Kontrolle und anderer Laborparameter ist eindeutig in den Querschnittsdaten der EURODIAB Complications Study 1999,* belegt.

  3. Die Problemlage zur Fettaufnahme in der Bevölkerung (IST: 45 %; SOLL: < 35 % / < 30 % bei Adipositas;) ist kein neues, jedoch ein beständiges Problem. Und nicht nur das, die Qualität der Fette wird vielfach vom Patienten nicht unterschieden, sondern schlicht und ergreifend gar nicht als qualitativer Unterschied erkannt. Erkenntnisse unterschiedlicher Fettqualitäten einschließlich der Omega 3- und Transfettsäuren verursachen praxisrelevante Fragen für eine bevorzugte Auswahl und sind hinsichtlich des Effektes durch Daten eindeutig belegt.

  4. Der Eiweißbedarf mit 0,8 g/kg Körpergewicht entpuppt sich in der Praxis als eine radikal notwendige Reduzierung der üblichen Verzehrgrößen (IST: 1,2 g/d; SOLL: 0,8 g/d;*).

  5. Das Schulungssystem "Ernährung bei Diabetes"* ermöglicht Schulenden und Patienten an die Umsetzungsvielfalt anzuknüpfen. Die Einordnung der Gewichtsentwicklung über BMI und Taillenumfang gepaart mit angemessenen Zielgewichtsvereinbarungen, Zufuhrmengen von Flüssigkeit und alkoholischen Getränken sowie Supplementen wurde ebenso bedacht und dient der praktischen Beratungsarbeit.

Quellen

  • Toeller M. Evidenzbasierte Ernährungsempfehlungen zur Behandlung und Prävention des Diabetes mellitus. Autorisierte deutsche Version nach der DNSG der EASD. In Abstimmung mit der DDG, DAG, DGEM und DGE Diabetes und Stoffwechsel 2005; 14:75-94
  • Liebermeister, 2006, S. 14
  • Diabetes UP Date, Roden 2006, S. 1-40
  • Eurodiab Complications Study, 1999
  • Gesundheitsbericht 2005

Bildunterschrift: Dr. rer. medic. Nicola Haller, Diabetesberaterin DDG, Mering.
Bildquelle: Abbott Diabetes Care

zuletzt bearbeitet: 25.05.2006 nach oben

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