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Genotyp-basierte Ernährungsempfehlungen:

Abstract zum Vortrag von Prof. Dr. Dr. Hans-Georg Joost im Rahmen eines Symposiums von Abbott Diabetes Care auf der 41. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) in Leipzig.

Eine realistische Perspektive für Prävention und Therapie des Diabetes mellitus?

Prof. Dr. Dr. Hans-Georg JoostEine an das individuelle Krankheitsrisiko angepasste Intervention zielt darauf, das Nutzen-Risiko-Verhältnis dieser Intervention zu optimieren. Wenn ein Erkrankungsrisiko zudem mit einem bestimmten Genotyp assoziiert ist, lässt sich eine frühzeitige Indikation zu intensiverer, präventiver Intervention stellen. Zur Prävention ernährungsbedingter Erkrankungen wurde deshalb das Konzept der personalisierten Ernährungsempfehlungen entwickelt, die sich an sogenannten. Biomarkern, darunter auch Genvarianten ausrichten. Dieses Konzept basiert darauf, dass Wirkungen von Nährstoffen sehr variabel sein können, und dass diese Variabilität durch eine heterogene genetische Grundlage verursacht ist.

Überzeugende Hinweise für die Validität dieses Konzepts wurden in tierexperimentellen Untersuchungen gewonnen. So ist die Wirkung einer fettreichen Ernährung auf die Gewichtsentwicklung und die Diabetesentstehung bei Mäusen genetisch bedingt, das heißt je nach Genotyp sind die verschiedenen Stämme fettempfindlich oder fettresistent. Auch in humanen Studienpopulationen findet sich eine Reihe von Genotyp-abhängigen Unterschieden für das Risiko ernährungsabhängiger Krankheiten. So kann der Genotyp der MTHFR, eines Enzyms des Folatstoffwechsels, je nach Folatzufuhr das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen bestimmen. Das Krebsrisiko in Zusammenhang mit einer bestimmten Ernährung kann vom Genotyp mehrerer Enzyme abhängen, die Xenobiotika (Fremdstoffe) metabolisieren. Auch die Wirkung einer fettmodifizierten Diät auf die Serum-Lipoproteine ist individuell sehr verschieden und lässt sich mit Genotypen zum Beispiel der ApoE-Proteine assoziieren.

Das Risiko für Typ-2-Diabetes ist mit anthropometrischen Parametern Body-Mass-Index, Serumparametern (Adiponectin, HDL-Cholesterin, HbA1c, CRP), dem Aktivitätsprofil sowie mit dem Ernährungsmuster assoziiert. Diese nicht-genetischen Faktoren erlauben eine recht präzise Schätzung des Risikos, in den nächsten fünf bis zehn Jahren an einem Diabetes zu erkranken; mit ihnen können also Individuen mit erhöhtem Risiko identifiziert werden, denen eine intensive Intervention empfohlen werden sollte (sogenannte Lifestyle-Intervention). Die heute bekannten Genvarianten, die mit erhöhtem Diabetesrisiko assoziiert sind (Calpain-10, PPARgamma, KIR 6.2, TCF7L2), können nur geringe Risikoerhöhungen vorhersagen. Ihr Beitrag ist kleiner als das durch die Familienanamnese abschätzbare gesamte genetisch determinierte Risiko; deshalb wird die Aussagefähigkeit der phänotypischen Faktoren durch eine Genotypisierung zurzeit nicht wesentlich verbessert. Die bekannten diabetogenen Allele differenzieren zudem (noch) nicht zwischen Subgruppen, die unterschiedliche Empfindlichkeiten gegenüber Ernährungsmustern (Kohlenhydrate, Fette) oder anderen Parametern aufweisen.

Eine am individuellen Risiko orientierte Lifestyle-Diabetesprävention kann deshalb mit phänotypischen Biomarkern ca. fünf bis zehn Jahre vor Beginn der Erkrankung beginnen. Die Genotyp-basierte Risikobestimmung, die zurzeit noch nicht für eine breite Anwendung geeignet ist, böte den zusätzlichen Vorteil, dass sie eine erheblich frühere Prävention ermöglichen würde. Es besteht zudem die Aussicht, dass sich mit der Entdeckung weiterer Suszeptibilitätsgene Subgruppen identifizieren lassen, denen individualisierte Ernährungsempfehlungen gemacht werden können.

Bildunterschrift: Prof. Dr. Dr. Hans-Georg Joost, Deutsches Institut für Ernährungsforschung, Potsdam-Rehbrücke.
Bildquelle: Abbott Diabetes Care

zuletzt bearbeitet: 25.05.2006 nach oben

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