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Diabetes und Erblindung

Abstract zum Vortrag von Prof. Dr. Peter Wiedemann im Rahmen der Pressekonferenz zur 41. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) in Leipzig.

Bei unzureichender Blutzuckereinstellung ist nach 10 Jahren mit einer Schädigung an den Augen zu rechnen

Prof. Dr. Peter Wiedemann Wichtigste Folge des Diabetes ist die diabetische Retinopathie, eine Netzhauterkrankung, die hervorgerufen wird durch eine Schädigung der kleinen Blutgefäße im Auge. Bei der Makulopathie wird der schärfste Punkt des Sehens, die Makula, beeinträchtigt. Der Augenarzt spricht dann von einer diabetischen Makulopathie. Retinopathie und Makulopathie bedrohen das Sehen und sind der Hauptgrund für schlechtes Sehen bei jungen Leuten. Unterschiede in der Versorgung, im Lebensstil und in den Erbanlagen bedingen das Auftreten und den Beginn der Krankheit.

Insgesamt ist die diabetische Retinopathie die zweithäufigste Erblindungsursache. 3 Prozent der Diabetiker erblinden. Bei dieser Angabe ist zu berücksichtigen, dass die Prävalenz in der Bevölkerung bei 5 Prozent liegt. Das heißt, es gibt 50.000 Diabetiker bezogen auf 1 Million Menschen. Dies wiederum bedeutet 1.500 Blinde bezogen auf 50.000 Diabetiker.

Der Patient bemerkt die Krankheit anfänglich nicht, denn der Beginn der diabetischen Retinopathie kann nur durch augenärztliche Untersuchungen erkannt werden.

Die diabetische Retinopathie ist direkt proportional zu Blutzucker und Blutdruck. Durch eine gute Einstellung kann die Retinopathie verzögert werden. Wenn dies nicht geschieht, ist nach 10 Jahren eine Schädigung zu erwarten. Deshalb ist eine enge Kooperation von Patient, Hausarzt, Internist und Augenarzt nötig, um die Krankheit zu vermeiden beziehungsweise möglichst früh zu erkennen.

Die Erblindungsrate lässt sich durch konsequente Frühbehandlung um ein Drittel senken. Damit beugt man großem Leid vor und spart zudem Kosten.

Beispiel Sachsen

Nach Mitteilung der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsens und der sächsischen Krankenkassen sind die sächsischen Augenärzte am "Disease Management Programm Diabetes" beteiligt. Im Rahmen der Programme soll die Versorgung chronisch Kranker, im konkreten Falle von Diabetikern, verbessert werden. Grundlage dafür sind Leitlinien, an deren Erarbeitung verschiedene Gremien, u. a. die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) und die Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), beteiligt waren. Sie schließt die Zusammenarbeit mit den Fachärzten ein, die Folgeerkrankungen des Diabetes mellitus behandeln.

Ausblick

Für die diabetische Makulopathie werden zurzeit neue Therapien erprobt. So werden die Diabetiker beispielsweise mit neuen Medikamenten für die optimale Blutzuckereinstellung behandelt.

Bildunterschrift: Prof. Dr. Peter Wiedemann, Universitätsklinik und -poliklinik für Augenheilkunde Leipzig.
Bildquelle: Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG)

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zuletzt bearbeitet: 23.05.2006 nach oben

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