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Diabetes-Aktion "Weil es unter die Haut geht"

Pressemitteilung: Diabetes-Portal DiabSite

Experten empfehlen Einmalverwendung von Insulinpen-Nadeln

Moderne Insulinpen-Nadeln sind Einwegprodukte. Dennoch verwenden vor allem in Deutschland die meisten insulinpflichtigen Diabetiker die Injektionsnadeln für ihren Pen mehrfach. Nur wenigen Anwendern und leider auch nicht allen Diabetes-Experten ist bewusst, welche Risiken mit der Mehrfachverwendung von Pen-Nadeln verbunden sind. Unsterile, verbogene oder gar verstopfte Nadeln führen nicht selten zu Gewebeveränderungen und Ungenauigkeiten bei der Insulinzufuhr. Unerwünschte und unkalkulierbare Blutzuckerschwankungen sind die Folge. Die Aktion "Weil es unter die Haut geht" will dies ändern.

Die gemeinsame Initiative vom Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe e.V. (VDBD) sowie den Firmen BD, Novo Nordisk und Ypsomed will über den richtigen und hygienischen Umgang mit Insulin-Injektionsnadeln informieren. Nur die Einmalverwendung von Pen-Nadeln gewährleistet aus medizinischer Sicht eine sichere und wirksame Insulinversorgung. Diese wichtige Rolle der Pen-Nadeln für die optimale Insulintherapie wird von vielen Diabetikern unterschätzt.

Insulinpen-Nadeln werden in Deutschland erst nach durchschnittlich 9,2 Injektionen gewechselt. In Frankreich erfolgt der Nadelwechsel bereits nach durchschnittlich 1,5 Injektionen. Dies sind die Ergebnisse einer europaweiten Umfrage, berichtet Evelyn Drobinsky vom VDBD. Ähnliche Daten bestätigt auch Professor Michel Pinget, Hospices Civiles in Straßburg. In Frankreich unterstützen wissenschaftliche und staatliche Einrichtungen seit vielen Jahren die Aufklärung zum Thema Einmalverwendung von Pen-Nadeln.

Moderne Pen-Nadeln sind sehr dünn, scharf geschliffen und besitzen einen Gleitfilm, damit die Injektion schmerzarm und gut verträglich verläuft. Dieser Gleitfilm ist bereits bei der ersten Verwendung der Nadeln abgenutzt. An gebrauchten Nadeln können außerdem Gewebereste hängen bleiben und zur Ansiedlung von Bakterien und anderen Keimen führen. Bei der Wiederverwendung der Nadeln können diese Krankheitserreger dann in die Haut eindringen, erklärt Dr. Walter Bruchhausen vom Medizinhistorischen Institut der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn.

Bei der Mehrfachverwendung von Pen-Nadeln besteht außerdem die Gefahr, dass sich die hauchdünn geschliffene Nadelspitze verbiegt und das Gewebe dadurch beim Spritzen stärker verletzt wird als mit einer neuen Nadel. Fettgewebswucherungen, sogenannte Lipohypertrophien, sind die Folge. Für Diabetiker sind sie meist nur ein kosmetisches Problem, sie können jedoch medizinische Bedeutung erlangen, wenn das veränderte Fettgewebe schlecht durchblutet wird, betont Professor Dr. Thomas Haak von der Diabetes-Klinik in Bad Mergentheim.

Die Experten sind sich einig: Nur die Einmalverwendung von Pen-Nadeln sichert den Behandlungserfolg. Bereits vor drei Jahren hat die Deutsche Diabetes-Gesellschaft auf die Risiken der Mehrfachverwendung von Insulin-Injektionsnadeln hingewiesen. Pen-Nadeln sind Einmalartikel, die regelmäßig gewechselt werden sollten, idealerweise nach jeder Injektion. Zudem sollten Diabetes-Patienten auf die korrekte Spritztechnik achten und die Injektionsstellen regelmäßig wechseln. Werden diese Regeln eingehalten, können gesundheitliche Risiken ausgeschlossen und eine wirksame und schmerzarme Insulinbehandlung gewährleistet werden.

Autor: hu ; zuletzt bearbeitet: 03.04.2006 nach oben

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