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Wege zu mehr Eigenverantwortung für Menschen mit Typ 2 Diabetes

Abstract zum Vortrag von Dr. med. Andreas Klinge, Facharzt für Innere Medizin und Diabetologie, Diabetes-Schwerpunktpraxis, Hamburg-Othmarschen, im Rahmen der "Elmauer Gespräche 2006" - einer Informationsveranstaltung für Fachjournalisten von der Firma Roche Diagnostics.

Ein Beispiel aus der Praxis

In zunehmendem Maße wird von unterschiedlichen Seiten (Patientenverbände, Politik, Verbraucherschutz u.a.) eine verstärkte Eigenverantwortung von Menschen mit unterschiedlichen Erkrankungen eingefordert. Die Umsetzung dieser Forderung ist richtig und wichtig, da insbesondere bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder Asthma bronchiale der eigenverantwortliche Umgang mit der Therapie für die Qualität der Ergebnisse eine große Rolle spielt.

Im Rahmen der Diagnostik und Therapie in einer Diabetes-Schwerpunktpraxis stehen wir immer wieder vor dem Problem, dass ich als Arzt zu wissen meine, was für die Behandlung des einzelnen Patienten wichtig und richtig ist, der Patient aber eventuell hiervon völlig abweichende Vorstellungen hat. Außerdem ist der Patient häufig schon durch Informationen und Verbote aus seinem Umfeld verunsichert. Um diesen Konflikt zu lösen ist es wichtig im Erstkontakt zu klären, wie viel Informationen und Erfahrungen der Patient bereits über die Erkrankung "Diabetes mellitus" hat und welche Informationen er benötigt, um eine eigene Entscheidung über die weiteren Therapieschritte zu treffen.

Für einen großen Teil der Patienten bedeutet dies, sich erst einmal damit auseinander zu setzen, dass der Diabetes mellitus für sie eine relevante Problematik darstellt. In vielen Köpfen (nicht nur bei Menschen mit Diabetes) steckt noch die Vorstellung vom harmlosen "Alterszucker". Viele Menschen sind auch nicht darüber informiert, was ein normaler Blutzucker ist, bzw. welche Blutzuckerwerte unter einer Behandlung erreicht werden sollen.

Der erste Schritt besteht daher sehr häufig darin, den Patienten zunächst die Möglichkeit zur Blutzuckerselbstkontrolle zu geben und sie mit der Information über den Zielbereich zu versorgen ohne an der Therapie etwas zu verändern. Unter dieser Intervention erlebe ich häufig Erfolge, ohne dass eine einzige Tablette mehr verordnet wurde, oder eine Eskalation der Therapie in Richtung einer Insulintherapie notwendig war. Der Patient erfährt durch die Selbstmessung, wie sich die unregelmäßige Einnahme der Tabletten, Bewegung oder auch unterschiedliche Nahrungsmittel auf die Stoffwechsellage auswirken.

Die Blutzuckerselbstmessung ist bei Menschen mit einem Typ 2-Diabetes daher nicht nur ein Mittel zur Therapiekontrolle, sondern ein ganz wesentliches, eigenes therapeutisches Instrument im Sinne eines Feedback-Verfahrens.

zuletzt bearbeitet: 19.02.2006 nach oben

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