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Diabetes-Medikamente mit weniger Nebenwirkungen

Der renommierte Karl-Oberdisse-Preis geht an RUB-Diabetologen

Für seine Forschungsarbeit zur Verbesserung von Wirkstoffen gegen Typ-II-Diabetes mit weniger Nebenwirkungen ist der Oberarzt Dr. Stephan Schneider (Medizinische Klinik I, Bergmannsheil, Klinikum der Ruhr-Universität, Direktor: Prof. Dr. Harald Klein) mit dem "Karl-Oberdisse-Preis" der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Endokrinologie und Diabetologie ausgezeichnet worden. Der mit 5000 Euro dotierte Preis, der von der Firma Aventis gestiftet wird, wird für die beste klinische und experimentelle Arbeit auf dem Gebiet der Endokrinologie und Diabetologie verliehen. Dr. Schneider konnte nachweisen, dass eine abgewandelte Form des gängigen Wirkstoffs Glibenclamid wahrscheinlich ein geringeres Risiko an Unterzuckerung mit sich bringt.

Wirkung schießt über das Ziel hinaus

Beim Typ-II-Diabetes produziert die Bauchspeicheldrüse zwar noch Insulin, das der Körper zur Aufnahme von Zucker aus dem Blut benötigt, aber die Ausschüttung erfolgt zu langsam oder zur falschen Zeit. Außerdem reagieren die Körperzellen häufig nicht mehr ausreichend auf das Insulin, so dass immer mehr davon benötigt wird, um Zucker aus dem Blut aufzunehmen. Diesen Mehrbedarf kann die Bauchspeicheldrüse irgendwann nicht mehr decken: Der Blutzuckerspiegel steigt.

Wenn das Problem durch Diät und Bewegung nicht mehr in den Griff zu bekommen ist, kommt häufig der Wirkstoff Glibenclamid zum Einsatz. Er dockt an bestimmte Rezeptoren der insulinproduzierenden Zellen an und regt die Bauchspeicheldrüse so zur verstärkten Ausschüttung von Insulin an: Der Blutzuckerspiegel sinkt. Allerdings dauert die Wirkung von Glibenclamid lange an und sorgt auch dann noch für eine vermehrte Insulinproduktion, wenn der Blutzuckerspiegel nicht mehr zu hoch ist: Es droht eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) mit gefährlichen Folgen.

Geringeres Risiko der Unterzuckerung

Um diese Nebenwirkung zu vermindern, veränderte Dr. Schneider das Glibenclamid-Molekül. Vorangehende Studien hatten Hinweise darauf gegeben, dass bestimmte kleine Veränderungen das Verhalten des Wirkstoffs im Körper entscheidend beeinflussen können. Die Teile des Moleküls, die für die Bindung an den Rezeptor der insulinproduzierenden Zellen verantwortlich sind, wurden nicht verändert. Tests mit dem veränderten Wirkstoff ergaben eine ebenso gute Bindung an den Rezeptor wie der ursprüngliche Stoff. Die Versuche zeigten aber auch eine signifikant kürzere hypoglykämischen Wirkung und schnellerer Clearance im Vergleich zur Ursprungssubstanz. Dieses Ergebnis zeigt, dass das neue Molekül ein hohes Potential für die Synthese neuer kurzwirksamer Antidiabetika bietet.

Transporter für Kontrastmittel

Wegen seiner zwölffach geringeren Fettlöslichkeit nimmt Dr. Schneider zusätzlich an, dass der veränderte Wirkstoff nicht mehr wie die unveränderte Variante von vielen verschiedenen Zelltypen aufgenommen wird, sondern vorwiegend von insulinproduzierenden Zellen. Daher ließe er sich auch als Transportmittel für radioaktive Kontrastmittel verwenden, mit deren Hilfe sich in der Positions-Emissionen-Tomographie (PET) die Anzahl der insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse ermitteln ließe.

Diese Pressemitteilung wurde über den - idw - versandt.

zuletzt bearbeitet: 27.01.2006 nach oben

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