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RIMONABANT geht Übergewichts-Epidemie "an den Speck"!

Neues Medikament senkt Hunger, Gewicht, Bauchumfang und Blutfettwerte

Die erste von insgesamt vier Zulassungsstudien für den "schlankmachenden" Wirkstoff Rimonabant, wie sie das britische Fachmagazin Lancet veröffentlichte, gibt vielversprechenden Grund zu hoffen: Der Rezeptor-Blocker Rimonabant drosselt das Hungergefühl und führt zu einer klinisch bedeutsamen Verringerung der Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus Typ 2, informiert heute Diplom Ernährungswissenschaftlerin Bettina Geier von der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V. aus Aachen.

In der einjährigen randomisierten "RIO- (Rimonabant In Obesity) Studie" untersuchten der belgische Professor Luc Van Gaal und sein Team vom University Hospital Antwerp an 1.507 adipösen Patienten aus Europa und den USA die Effekte des "Rezeptor-Antagonisten" Rimonabant. Die Studienteilnehmer wiesen zu Beginn einen Body Mass Index von mindestens 30 oder von mindestens 27 in Kombination mit Hypertonie und erhöhten Blutfettwerten auf. Alle Patienten führten einen vorgegebenen moderaten Ernährungsplan und ein tägliches Bewegungsprogramm durch.

Täglich erhielt ein Teil der Gruppe 20 Milligramm Rimonabant, ein weiterer Teil 5 Milligramm und die Kontrollgruppe ein Placebo-Präparat. Die Behandlung mit Rimonabant über ein Jahr führte zu anhaltenden Gewichtsverlusten, einer Reduktion des Hüftumfangs, des LDL-Cholesterins, der Triglyceride sowie der Insulinresistenz im Vergleich zur Placebo-Gruppe, fasst Professor Van Gaalen die erhaltenen Daten zusammen. Die größten Effekte zeigten sich bei den Teilnehmern mit täglicher 20 Milligramm-Dosis, aber auch die niedriger dosierten Probanden zeigten verglichen mit der Placebo-Gruppe die geschilderten Effekte, nur in geringer ausgeprägten Maße.

Insgesamt bescheinigten die Wissenschaftler dem Präparat eine gute Verträglichkeit. Gelegentlich auftretende Nebenwirkungen wie Übelkeit, Schwindelgefühle, Durchfall, Kopfschmerzen und Angstzustände beschrieben die Probanden als schwach und vorübergehend. Ernste Nebenwirkungen wiesen die Behandelten nicht häufiger auf als die Patienten, die das Placebo einnahmen.

Das Wirkprinzip, das sich in Tierversuchen bereits als erfolgreich erwiesen hatte, beruht auf der Hemmung eines einfachen Schlüssel-Schloss-Mechanismus bei der Hungerregulation: Bei Hunger schüttet der Körper verstärkt Cannabinoide aus, die an dem Rezeptor Cannabinoid 1 (CB1) in Fettgewebe und Gehirn "andocken" und diesen aktivieren. Eine Blockade dieses CB1-Rezeptors durch Rimonabant jedoch verhindert das Andocken der körpereigenen Botenstoffe und hemmt so ein aufkommendes Appetitgefühl.

Diplom Oecotrophologin Bettina Geier sieht in dem Eingriff in das Endo(=körpereigene)Cannabinoid-System - sofern sich die Ergebnisse in den folgenden Studien bestätigen - eine reale Chance gegen Fettleibigkeit und damit verbundene kardiovaskuläre und metabolische Erkrankungen, also Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen. Medikamente können bei Übergewicht nie alleinige Therapie sein. Doch durch die medikamentöse Therapie erreichte Erfolge können die übergewichtigen Patienten auf psychischer Ebene unterstützen, Kraft und Durchhaltevermögen für eine ganzheitlich lebensübergreifende Umstellung im Ernährungs- und Bewegungsbereich zu entwickeln, so Geier hinzufügend.

zuletzt bearbeitet: 05.12.2005 nach oben

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