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Überlegenheit von Atorvastatin ist nicht belegt

IQWiG legt umfassende Analyse zum Patientennutzen der Statine vor

Ein lebensverlängernder Effekt ist bei Patienten mit chronischer Erkrankung der Herzkranzgefäße nur für die Wirkstoffe Simvastatin und Pravastatin wissenschaftlich nachgewiesen; bei der Untergruppe von Patienten mit Diabetes mellitus ausschließlich für Simvastatin. Für Atorvastatin, Fluvastatin und Lovastatin fehlen indes entsprechende Belege. Zu diesem Ergebnis kommt eine umfassende Nutzenbewertung einer Gruppe von Medikamenten, die das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) jetzt vorgelegt hat.

Für seine Analyse hat das Institut weltweit klinische Studien zu Statinen recherchiert, die zuverlässigsten Daten herausgefiltert und diese bewertet. Im Mittelpunkt stand dabei der therapeutische Nutzen für den Patienten.

Wie die Kölner Wissenschaftler feststellten, gibt es beim akuten Koronarsyndrom (kritische Durchblutungsstörungen des Herzens) nur für Atorvastatin, Pravastatin und Simvastatin Studien, die Aussagen zu patientenrelevanten Endpunkten treffen. Ein direkter Vergleich der Wirkstoffe ist bei dieser Indikation nur eingeschränkt möglich, weil das Design und die Art der Publikation dieser Studien zum Teil mangelhaft sind. Auf keinen Fall lässt sich aus ihnen ableiten, dass eine dieser drei Substanzen das Risiko eines Herzinfarkts oder die Sterblichkeit besser senkt als andere.

Damit widerspricht das IQWiG Aussagen des Atorvastatin-Herstellers Pfizer. Dieser hatte 2004 und 2005 wiederholt öffentlich behauptet, sein unter dem Handelsnamen "Sortis" vertriebenes Präparat Atorvastatin sei den anderen Statinen überlegen. Der Hersteller hatte diese generelle Aussage unter anderem mit einer vermeintlich besseren Verträglichkeit in der Hochdosistherapie begründet. Das jüngste IQWiG-Arbeitspapier kommt auch hier zu einem gegenteiligen Ergebnis: In den analysierten klinischen Studien musste beispielsweise bei Sortis die Therapie in höchster zugelassener Dosierung wegen Nebenwirkungen häufiger abgebrochen werden als bei Simvastatin.

Hintergrund: Wirkmechanismen der Statine sind vielfältig Eine Behandlung mit Statinen ist eine der Hauptinterventionen bei Patienten mit HerzKreislaufErkrankungen. Diese stellen in Deutschland sowohl bei Männern als auch bei Frauen die häufigste Todesursache dar. Daher sind Aussagen zu einer substanzspezifischen Überlegenheit eines bestimmten Wirkstoffes der Statingruppe von entscheidender Bedeutung für Patienten und Ärzte. Die IQWiG-Analyse hat deshalb vor allem das Ziel, über den aktuellen medizinischen Stand des Wissens in der Langzeitanwendung von Statinen zu informieren.

Wie in kontrollierten Vergleichsstudien wiederholt gezeigt wurde, haben Statine bei Patienten mehrere Effekte: Offenbar senken sie nicht nur den Cholesterinspiegel, sondern beeinflussen beispielsweise auch die Gerinnbarkeit des Blutes. Zudem können sie entzündungshemmend wirken.

Welche dieser vielfältigen Wirkungen letztlich für den Nutzen einer Statintherapie bedeutsam sind, und welche anderen, noch unbekannten Mechanismen möglicherweise eine Rolle spielen, ist jedoch weiterhin unklar. Umstritten ist, ob und in wie weit die Senkung des LDL-Cholesterins den Gesundheitszustand positiv beeinflusst. Denn in älteren Studien hatten cholesterinsenkende Medikamente die Sterblichkeit in manchen Fällen sogar erhöht. Daher ist es wichtig, den lebensverlängernden Effekt eines jeden cholesterinsenkenden Wirkstoffs zu untersuchen.

Das vollständige Arbeitspapier finden Sie im Internet unter: www.iqwig.de.

zuletzt bearbeitet: 03.09.2005 nach oben

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