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Aktuelle Fortschritte in der Diagnostik und Therapie des Diabetes mellitus

Abstract zum Vortrag von Prof. Dr. med. Wolfgang Kerner, Präsident der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) und Direktor der Klinik für Diabetes und Stoffwechselkrankheiten des Klinikums Karlsburg, im Rahmen der Pressekonferenz zur Veranstaltung: AND-Symposium für Praktische Diabetologie/Herbsttagung-DDG.

Kontinuierliche Blutzuckermessung

Professor Dr. med. Wolfgang Kerner Ein implantierbarer Glukosesensor ist seit 30 Jahren der Wunschtraum vieler Diabetiker und ihrer Ärzte. Die ursprüngliche Idee war es, diesen Sensor zusammen mit einer Insulinpumpe zu implantieren und so den Körper automatisch genau mit der Menge Insulin zu versorgen, die er zur Normalisierung des Blutzuckers braucht. Es wurde bald klar, dass die Entwicklung des Glukosesensors unerwartet schwierig war. Sensoren, die im Reagenzglas über Monate funktionierten, waren bereits wenige Stunden oder Tage nach Implantation, vor allem in das strömende Blut, nicht mehr brauchbar.

Die Entwicklungsarbeit der letzten Jahre konzentrierte sich deshalb auf Sensoren, mit denen man für einige Tage die Glukose, und zwar im Unterhaut-Fettgewebe, messen kann. Dies ist sinnvoll, da man seit einiger Zeit weiß, dass die Glukosekonzentration im interstitiellen Fettgewebe gut mit dem Blutzucker übereinstimmt. Mittlerweile stehen Sensoren zur Verfügung, mit denen man relativ verlässlich die Glukosekonzentration in der Subkutis über einen Zeitraum von bis zu 3 Tagen messen kann.

Diese Messung dient momentan zur retrospektiven Überprüfung der Qualität der Blutzuckereinstellung. Ziel ist es allerdings, sobald eine ausreichende Zuverlässigkeit der Geräte erreicht ist, die Glukosewerte dem Patienten zeitgleich zur Verfügung zu stellen und ihn damit in die Lage zu versetzen, unmittelbar Einfluss auf die Therapie zu nehmen. Erstrebenswert ist in diesem Zusammenhang auch der Einsatz der Geräte als Warnsystem vor Unterzuckerungen.

Die kontinuierliche Glukosemessung hat als Bestandteil eines geschlossenen Regelsystems begonnen, das automatisch die Glucose reguliert und es ist zu hoffen, dass sie dahin auch wieder zurückkehren wird. Versuche, die Rückkopplung zwischen den Glukosewerten im Unterhautfettgewebe (gemessen mit einem externen Sensorsystem) und der Insulininfusion in das Fettgewebe (mit einer externen Insulinpumpe) herzustellen, gibt es von verschiedenen Seiten. Es ist zu hoffen, dass in absehbarer Zeit entsprechende Geräte kommerziell verfügbar sein werden.

Nach vielen Jahren der Stagnation in der Sensorentwicklung ist wieder Leben in die Sache gekommen. Interessante Zeiten für Menschen mit Diabetes und für Diabetologen brechen an.

Bildunterschrift: Professor Dr. med. Wolfgang Kerner
Bildquelle: Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG)

zuletzt bearbeitet: 02.09.2005 nach oben

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