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Größere krankheitsfreie Phasen im Alter angestrebt

Weltweit führende Altersforscher kommen zu einer Tagung nach Halle

Zwei der weltweit führenden Altersforscher, George M. Martin (Seattle) und Ed Lakatta (Baltimore), nehmen vom 23. bis zum 25. September 2005 an einer wissenschaftlichen Tagung in Halle (Saale) teil. Die Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg veranstaltet in Zusammenarbeit mit der Klinik für Innere Medizin III und dem Sonderforschungsbereich "Herzversagen im Alter" (der einzige dieser Art in Deutschland) der Medizinischen Fakultät, die Tagung "Cardiovascular ageing: from molecular biology to clinical perspectives".

Erwartet werden mehr als 100 Wissenschaftler, unter anderem aus den USA, Großbritannien, Österreich und Deutschland. "Das Programm ist hochkarätig und wohl in Deutschland derzeit unerreicht", sagt Professor Dr. Klaus Hager, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Alternsforschung.

"Wir wissen über das Altern zu wenig", beschreibt Dr. Andreas Simm, Organisator der Tagung und Sekretär des Sonderforschungsbereiches, ein Anliegen der Veranstaltung. Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung der Gerontologie (Alternsforschung) sollen mit den Erfordernissen aus der klinischen Praxis verbunden werden. Dabei berichten zwei "ganz große Altersforscher" - George Martin und Ed Lakatta - über ihre Arbeit. Martin beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit neurologischen Erkrankungen im Alter - zum Beispiel Parkinson und Alzheimer. Er arbeitete bis zu seiner Emeritierung als Pathologie-Professor an der University of Washington (Seattle). Der nun 78-jährige Martin wird für seine Verdienste im September in Halle mit dem Karl-Ludwig-Schober-Preis ausgezeichnet.

Für diese Tagung wurden mehrere Schwerpunkte gesetzt: von den molekularbiologischen Konzepten und Grundlagen des Alterns über die Gewebeprotektion im Alter, der Alterung von unterschiedlichen Organen bis hin zur klinischen Bedeutung des Faktors Alter und potentielle präventive Interventionsmöglichkeiten gegen degenerative Alterserkrankungen.

Derzeit werden verschiedene Interventionsmöglichkeiten gegen das Altern erforscht. Dabei gehe es allerdings nicht um die Verlängerung der maximalen Lebensdauer der Menschen, sondern um größere, krankheitsfreie Phasen im Alter, berichtet Dr. Simm, der auch Forschungsleiter der Universitätsklinik und Poliklinik für Herz- und Thoraxchirurgie ist, über Entwicklungen in der Altersforschung. Das maximal mögliche Alter bei Menschen liegt bei etwa 120 Jahren. Grund für die limitierte menschliche Lebenserwartung scheint die begrenzte Lebenszeit von Zellen zu sein. Allerdings nahm die durchschnittliche Lebenserwartung in den Industriestaaten allein im 20. Jahrhundert um etwa 30 Jahre zu - damit aber auch die demografischen und gesellschaftlichen Herausforderungen zum Beispiel durch altersbedingte degenerative Erkrankungen.

Um möglichst lange ohne große Erkrankungen älter werden zu können, sollte die Zufuhr von Kalorien stark reduziert werden (in Tierversuchen bis auf die Hälfte), so lautet ein Forschungsansatz. Allerdings nehme bei Menschen, die dies versuchen, die Lebensqualität stark ab, erklärt der Wissenschaftler. Ein weiterer wirkungsvoller Interventionsansatz wurde über die Auswirkungen körperlicher Betätigung auf das Altern gefunden. Wissenschaftler erforschen zudem, ob Gewebe, wie der Herzmuskel, durch Stammzellen regeneriert werden können.

Eine vierte Möglichkeit besteht darin, durch Proteinmodifikationen versteiftes Gewebe mittels sogenannter Crosslink-Breaker wieder elastisch zu machen. Bisher wurden die Versuchsreihen nur an Tieren durchgeführt. Das Altern an sich könne aber nicht aufgehalten oder verhindert werden und sei biologisch auch nicht erstrebenswert, erklärt der Forscher aus Halle. Noch vollkommen unklar seien die Auswirkungen der modernen Lebensweisen in der Wohlstandsgesellschaft. Einige Experten spekulieren, dass in den kommenden Jahrzehnten in den Industriestaaten die durchschnittliche Lebenserwartung auch wieder abnehmen könne. So fördert das immer stärker verbreitete Übergewicht Erkrankungen wie Altersdiabetes (Typ-2-Diabetes), der mittlerweile schon bei übergewichtigen Kindern zu beobachten ist.

Zu dieser Problematik arbeiten im Sonderforschungsbereich SFB 598 "Herzversagen im Alter" Universitätskliniken und theoretische Institute zusammen. Durch die Verschiebung der Altersstruktur in den Industrieländern - besonders in den neuen Bundesländern - hat das Erforschen des Alterns und der damit verbundenen Erkrankungen stark an Bedeutung gewonnen. Etwa die Hälfte der Bevölkerung in den westlichen Ländern stirbt im Alter an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Gerade diesen widmet sich der Hallesche Sonderforschungsbereich "Herzversagen im Alter". Ein weiterer vergleichbarer Sonderforschungsbereich existiert in Deutschland derzeit nicht.

zuletzt bearbeitet: 18.07.2005 nach oben

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