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Geschlechterunterschiede bei Diabetes und beim metabolischen Syndrom

Abstract zum Vortrag von Prof. Dr. med. Vera Regitz-Zagrosek im Rahmen der 40. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) in Berlin.

Interaktion mit Herz-Kreislauferkrankungen

Prof. Dr. med. Vera Regitz-ZagrosekGeschlechterunterschiede in Erkrankungen, die nicht Sexualorgane betreffen, sind ein lange vernachlässigtes Thema in der klinischen Medizin. Tatsächlich finden sich zwischen Frauen und Männern bei Herz-Kreislauferkrankungen, Stoffwechselerkrankungen und Nierenerkrankungen massive Unterschiede.

Vor etwa 20 Jahren zeigte Elisabeth Barrett-Connor, später Präsidentin der amerikanischen Gesundheitsbehörde NIH, in der berühmt gewordenen Rancho-Bernardo-Studie, dass das Auftreten einer Blutzuckerkrankheit (Diabetes) bei Frauen für das Fortschreiten einer Arteriosklerose und das Auftreten von Myokardinfarkten noch ungünstiger ist als bei Männern. Seit dieser Zeit haben nur wenige Studien die Hintergründe dieses Phänomens bearbeitet. Wir ahnen heutzutage mehr als dass wir wissen, dass Nüchtern-Blutzuckerwerte und Glucosetoleranz bei Männern und Frauen unterschiedlich reguliert sind, und die Häufigkeiten in der Bevölkerung auch unterschiedlich sind.

Hormonstörungen, wie das häufige polycystische Ovarialsyndrom, sind vor allem bei jüngeren Frauen mit Störungen im Blutzuckerhaushalt, mit einem verfrühten Auftreten von Arteriosklerose und mit dem sogenannten metabolischen Syndrom assoziiert und auch bei Männern finden sich Zusammenhänge zwischen Sexualhormonen und dem metabolischen Syndrom. Das komplizierte Wechselspiel zwischen Sexualhormonen und Zucker- und Fettstoffwechsel jedoch ist noch weitgehend ungeklärt.

Untersuchungen zum Diabetes an Tiermodellen werden zumeist an jüngeren männlichen Ratten durchgeführt. Werden ältere weibliche Tiere untersucht und diese mit älteren männlichen Tieren zu verglichen, finden sich erstaunlich große Unterschiede. In Tiermodellen mit genetisch bedingten Defekten in der Fettsäureoxidation und der Glucoseoxidation haben die männlichen Tiere den deutlich ungünstigeren Phänotyp; d.h. sie sterben wesentlich früher als die weiblichen Tiere und können durch eine Östrogensubstitution gerettet werden. Bei Myokardinfarkten in solchen Tieren zeigen sich erhebliche Geschlechterunterschiede.

Die Akutsterblichkeit bei Herzinfarkt ist bei Frauen und Männern unterschiedlich, nicht nur weil Frauen häufig später in die Klinik kommen. Interessant ist, dass Diabetes die Sterblichkeit nach Infarkt bei Frauen stärker erhöht als bei Männern. In diesem Bereich muss die Forschung ansetzen und versuchen, Erklärungsmodelle zu finden und damit letztlich Möglichkeiten einer geschlechtsspezifischen Therapie und Prävention.

Bildunterschrift: Prof. Dr. med. Vera Regitz-Zagrosek, Charité der HU Berlin, und Deutsches Herzzentrum Berlin.
Bildquelle: Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG)

zuletzt bearbeitet: 06.05.2005 nach oben

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