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Wird Diabetes zur Volksseuche?

Abstract zum Vortrag von Prof. Dr. med. Wolfgang Kerner im Rahmen der 40. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) in Berlin.

WHO rechnet mit 366 Millionen Diabetikern weltweit für das Jahr 2030

Professor Dr. med. Wolfgang Kerner Nach Schätzungen der WHO (World Health Organization) wird weltweit die Zahl der Menschen mit Diabetes in den Jahren 2000 bis 2030 von 171 auf 366 Millionen zunehmen; dies entspricht einer Steigerung von 115 %. Regional wird die stärkste Zunahme der Inzidenz von Diabetes für Afrika erwartet (260 %).

In Deutschland hat die Zahl der Menschen mit Diabetes von 1988 bis 2001 um 43 % zugenommen. Momentan kann man davon ausgehen, dass ca. 8 % der deutschen Bevölkerung, d. h. 5-6 Millionen Menschen an Diabetes leiden. Für die Zunahme dieser Erkrankung ist im wesentlichen der Typ-2-Diabetes verantwortlich: Zum einen haben die Neuerkrankungen an Typ-2-Diabetes parallel mit dem häufigeren Auftreten von Übergewicht in den vergangenen Jahren zugenommen, zum anderen trägt die hohe Diabeteshäufigkeit im hohen Alter in einer immer älter werdenden Bevölkerung zur Zunahme der Diabetes-Prävalenz bei. Wenn keine geeigneten Maßnahmen ergriffen werden, muss auch in Deutschland mit einer weiteren Zunahme der Erkrankung gerechnet werden.

Parallel zur Zunahme des Diabetes wird die Zahl der mit ihm assoziierten Erkrankungen steigen. Es handelt sich dabei um die Verengungen der großen Gefäße von Herz, Gehirn und der Beine, die Verschlüsse der kleinen Gefäße von Augen und Nieren und um die Folgen des diabetischen Nervenschadens: Herzinfarkt, Schlaganfall, Amputationen an den Beinen, Erblindung und Nierenversagen mit der Notwendigkeit der Dialyse. Diese Krankheiten sind es, die Lebenserwartung und Lebensqualität der betroffenen Menschen beeinträchtigen. Die weltweit und auch für Deutschland vorliegenden Zahlen sind beunruhigend: Für Diabetiker ist das relative Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall gegenüber Nichtdiabetikern drei- bis fünffach erhöht. Insbesondere Frauen mit Diabetes sind vom Herzinfarkt bedroht. Amputationen werden bei Diabetikern 20-fach häufiger durchgeführt als bei Nicht-Diabetikern. Schon heute sind von allen Menschen, die auf eine lebenslange Nierenwäsche angewiesen sind, 30-50 % Diabetiker.

Die Zunahme der mit dem Diabetes assoziierten Krankheiten bedeutet nicht nur eine Zunahme des Leidens der betroffenen Menschen, sondern auch eine Zunahme der Kosten für das Gesundheitssystem. In der CODE-2 Studie fanden sich bei Diabetikern ohne assoziierte Erkrankungen 1,3-fach höhere Kosten als für den Durchschnitt aller GKV-Versicherten. Diabetiker mit den oben beschriebenen assoziierten Krankheiten verursachten je nach Art der Krankheiten 2,5 bis 4,1-fach höhere Kosten. Insgesamt kann man nach den Ergebnissen der CODE-2 Studie von Kosten des Typ-2-Diabetes in Höhe von 15 Milliarden EUR ausgehen.

Wenn nichts geschieht, wird der Diabetes zur Volksseuche werden und die Zahl der Menschen, deren Lebensqualität durch die mit dem Diabetes assoziierten Krankheiten beträchtlich eingeschränkt ist, wird weiter zunehmen. Und nicht zuletzt werden zusätzliche, nicht unbeträchtliche Kosten auf das Gesundheitssystem zukommen.

Bildunterschrift: Prof. Dr. med. Wolfgang Kerner, designierter Präsident der DDG und Direktor der Klinik Diabetes und Stoffwechselkrankheiten des Klinikums Karlsburg.
Bildquelle: Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG)

zuletzt bearbeitet: 06.05.2005 nach oben

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