Das unabhängige Diabetes-Portal DiabSite

Home > Aktuelles > Diabetes-Nachrichten > Archive > 2005 > 050506d

Qualitätssicherung in der Diabetologie

Abstract zum Vortrag von Dr. med. Michael Jecht im Rahmen der 40. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) in Berlin.

Unsicherheiten bei der Einführung von Qualitäts-Management-Systemen

Dr. med. Michael Jecht Zugelassene Krankenhäuser, stationäre Vorsorgeeinrichtungen, Rehabilitationseinrichtungen und demnächst ambulante Anbieter sind gesetzlich verpflichtet, ein internes QM-System einzuführen. Unsicherheit besteht, welchen Anforderungen QM-Systeme genügen müssen und was darüber hinaus im Rahmen von QS (Qualitätssicherung) und Leistungstransparenz zu erfüllen ist.

Die §§ 135ff des SGB V (Sozialgesetzbuch V,) verpflichten alle Leistungsanbieter (Krankenhäuser und Arztpraxen) an einrichtungsübergreifenden Maßnahmen der QS teilzunehmen mit dem Ziel der Verbesserung der Ergebnisqualität. Heben die etablierten QM-Verfahren [KTQ (Kooperation für Transparenz und Qualität im Krankenhaus), EFQM etc.] auf die Beurteilung der allgemeinen Prozesse eines Unternehmens ab, so fehlt bisher ein fachspezifisches QM, das die diabetologische Qualifikation ausreichend abbildet und damit als Grundlage für eine Beurteilung (und Bezahlung) der Fachkompetenz dienen kann.

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) hat diesen Mangel erkannt und fordert bei der Anerkennung von Behandlungseinrichtungen ein diabetesspezifisches QM. Zur Zeit sind zwei unterschiedliche Verfahren zur Zertifizierung von Behandlungseinrichtungen in der Diabetologie durch die DDG anerkannt (DQM - Diabetes Qualitäts-Modell) und QMKD - Qualitäts-Management des Berufsverbandes Klinischer Diabeteseinrichtungen).

St. Vincent Deklaration

Eine erste Richtungsgebung in Bezug auf Qualitätspolitik politischer Forderungen und Patientenrechte stellt die St. Vincent Deklaration dar. Unter der Leitung der WHO und der internationalen Diabetesföderation IDF wurden 1989 in St. Vincent erstmals für alle Länder Europas die defizitäre Versorgung der Diabetiker festgestellt und konkrete Fünfjahresziele zur Verbesserung definiert.

In diesem Rahmen wurden messbare Ziele benannt und mit dem DiabCare Datensatz Qualitätsindikatoren definiert. Daraus haben sich in Deutschland mehrere nennenswerte Initiativen entwickelt.

Gesundheitspass Diabetes

Mit dem Gesundheitspass Diabetes wurde erstmals ein Basisstandard zur Verlaufsdokumentation von Diabetikern etabliert, den der Ausschuss DQI der DDG (DQI = Dokumentation, Qualitätsmanagement und Informationstechnologie) jährlich überarbeitet und aktualisiert.

Qualitätsinitiativen in der Diabetologie

Im Laufe der letzen Jahre haben sich eine Vielzahl von Initiativen und Arbeitsgruppen in der Diabetologie gebildet und etabliert. Beispielhaft seien genannt:

AKD: Die Arbeitsgemeinschaft Klinische Diabetologie (AKD) der DDG (www.med.uni-jena.de/akd/): Nach den Prinzipien eines modernen QM wird die Diabetestherapie in den Teilaspekten Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität beurteilt. Die Struktur- und Prozessqualität werden durch gegenseitige passive und aktive Hospitationen untersucht. Die Ergebnisqualität wird durch persönliche Nachuntersuchung einer unselektierten Stichprobe aller geschulten Patienten erfasst. Die Ergebnisse werden im Arbeitskreis im Rahmen der Jahrestagung offen (nicht anonymisiert!) diskutiert.

FQSD (Forum Qualitätssicherung in der Diabetologie): Ziel ist die Erfassung des Ist-Zustandes der Therapie des Diabetes mellitus als erster Schritt einer QS. Es soll eine Verbesserung der Struktur- und Prozessqualität anhand verfügbarer Daten erreicht werden.

nach oben

Anerkennung von "Behandlungseinrichtungen" der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)

Einen weiteren Schritt zur Realisierung eines QM in der Diabetologie stellen die Anerkennungsrichtlinien der DDG dar. Um von der Fachgesellschaft als qualifizierte Einrichtung anerkannt zu werden, wird neben dem Nachweis der Strukturqualität der Nachweis eines QM gefordert. Hier erfolgt zusätzlich zwingend ein externes Audit, d. h. die Überprüfung der Angaben.

QM-Institutionen haben sich um Akkreditierung bei der DDG beworben. Das QM des Berufsverbandes Klinischer Diabeteseinrichtungen: "QMKD", orientiert sich an der formalen Struktur des KTQ Manuals. Diabetologische Konkretisierungen werden formuliert und im Audit überprüft. Hiermit ist die Kompatibilität zum KTQ-Verfahren sichergestellt. KTQ steht für "Kooperation für Transparenz und Qualität im Krankenhaus" (www.ktq.de/) und ist ein krankenhausspezifisches Zertifizierungsverfahren zum internen QM.

Diabetes Qualitäts-Modell [DQM]

Ein weiteres Verfahren, das die Zertifizierung von höher spezialisierten Einrichtungen der DDG ermöglicht, ist DQM (www.dqm-online.de/).

Mit DQM können die Anwender ihre spezifischen diabetologischen Besonderheiten besser erfassen und darstellen, gleichzeitig den Anforderungen von KTQ, proCum Cert oder DIN EN ISO 9001:2000 gerecht werden. Hierdurch wird Doppelarbeit vermieden.

QM erfasst systematisch die Unterschiede zwischen angestrebten (Soll) und tatsächlich erreichten Leistungsresultaten (Ist), analysiert die Ursachen und leitet Verbesserungen ein. Merkmale und Voraussetzungen zur Anerkennung sind:

Die Anerkennung (Zertifikat) durch einen unabhängigen Dritten, d. h. die Überprüfung von außen (Audit) stärkt die Position der diabetologischen Leistungsanbieter gegenüber den Vertragspartnern und gegenüber möglichen Rechts- (Schadens-) Ansprüchen.

DQM ersetzt nicht ein umfassendes externes QM-System.

Zweck des diabetesspezifischen QM

  1. Mit den Akkreditierungsverfahren zielt die DDG bewusst auf eine Stärkung der Diabeteseinrichtungen in den Verhandlungen mit Krankenkassen und KVen (Kassenärztlichen Vereinigungen) mit der Folge von Planungssicherheit durch Nachweis von Standards.
  2. Es werden mit diesen QM-Verfahren innovative Zeichen für alle medizinischen Fachgesellschaften gesetzt.

Bildunterschrift: Dr. med. Michael Jecht, Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe, Medizinische Klinik - Diabetologie, Berlin.
Bildquelle: Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG)

zuletzt bearbeitet: 06.05.2005 nach oben

Unterstützer der DiabSite:

Lasar Liepins

Lasar Liepins

Weitere Angebote:

Diabetes- und weitere Infos in Fremdsprachen

Angesichts der vielen Flüchtlinge zeigt DiabSite, wo es Diabetes- und weitere Gesundheitsinfos auf Arabisch, Persisch, Russisch etc. gibt.