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Herzspezialisten:

Kein Sparen auf Kosten der Patienten

Moderne Medikamenten-beschichtete Stents, Cholesterin-Senker oder Thrombosen-vorbeugende Medikamente: Angesichts beständig ansteigender Gesundheitskosten geht es auf der 71. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie auch um die Frage: "Muss jeder Patient alles was 'gut' ist bekommen?". Die einhellige Antwort der Mediziner: Ein uneingeschränktes "Ja" - allerdings unter der Voraussetzung, dass ein Patient auch wirklich davon profitieren kann. Schließlich sei heute klar definierbar, welche Risiken durch eine angemessene und kompetente Behandlung abgewendet werden können. Dies gelte in besonderem Maße für Menschen mit Diabetes, Herzschwäche, und Hochrisiken für Herzinfarkt.

Mannheim, Freitag 1. April 2005 - "Viele Herz-Kreislauf-Patienten müssen auch dann mit einem Cholesterinsenker behandelt werden, wenn sie einen normalen Blutfettspiegel aufweisen", erklärte Prof. Dr. Ulrich Laufs, Universitätskliniken des Saarlandes, auf einer Pressekonferenz auf der 71. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim, an der rund 5.000 Herzspezialisten teilnehmen. Angesichts der Diskussionen um Gesundheitsreform, beständig steigende Gesundheitskosten und immer knapper werdender budgetärer Mittel für das Gesundheitssystem beschäftigt die Experten auch die wichtige Frage: Muss jeder Patient alles, was die moderne Medizin zu bieten hat, auch bekommen?

"Bei Risikopatienten müssen auch 'normale' Blutfettwerte behandelt werden."

"Vor dem Hintergrund einer überzeugenden Studienlage stellen Cholesterinsenker vom Typ der Statine das Mittel der ersten Wahl für Vorbeugung oder Behandlung von Gefäßerkrankungen dar", plädiert Prof. Laufs für eine breite Anwendung der Blutfett senkenden Medikamente. "Bei Risikopatienten müssen auch als normal geltende Blutfettwerte behandelt werden." Denn es gehe nicht nur um das Ziel der Blutfettsenkung ("Lipidsenkung"), sondern durch die Therapie werden auch anti-entzündliche und wachstumshemmende Effekte aktiviert. Prof. Laufs: "Aktuelle Studien zeigen, dass auch Patienten mit hohem Risiko, aber niedrigen Cholesterinwerten von dieser Substanzgruppe profitieren können. Daher empfehlen nationale und internationale Leitlinien die Behandlung von Patienten mit manifester koronarer Herzkrankheit mit einem Statin."

Der LDL-Wert sollte ohne Vorliegen von Risikofaktoren nicht über 160 mg/dl liegen, bei Risikofaktoren nicht über 130 mg/dl. Bei bereits bestehenden kardiovaskulären Erkrankungen, Schlaganfall oder Diabetes mellitus sind LDL-Cholesterinwerte unter 100 anzustreben. "Das Gros der Patienten kommt mit einer Statin-Therapie in den gewünschten Zielbereich", sagt Prof. Laufs: "Es gibt aber auch Menschen, die auf Statine nicht gut ansprechen, oder spezielle Fettstoffwechselstörungen haben, wie beispielsweise stark erhöhte Triglyzeride. In seltenen Fällen muss bei Höchstdosen einiger Statine das Risiko von Nebenwirkungen in Kauf genommen werden. Für den Arzt bedeutet das in der Praxis häufig eine Kombinationstherapie mit einem weiteren Präparat."

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"Patienten mit Herzinsuffizienz zeigen unter Statinen ein niedrigeres Reinfarkt-Risiko."

Speziell bei Patienten mit Diabetes und erhöhten Blutfetten sei es angezeigt, möglichst viele Lipidparameter positiv zu beeinflussen. "Aus diesem Grund gehört die Statintherapie zu den wirksamsten therapeutischen Maßnahmen, wie die neuesten Studien mit Rosuvastatin zeigen", so Prof. Laufs. "Der Effekt ist bei Diabetikern größer als bei Nichtdiabetikern. Studien bei Patienten mit Herzinsuffizienz zeigen unter Statinen ein niedrigeres Reinfarkt-Risiko."

Es könne also keine Frage sein, so Prof. Laufs, dass bei bestehender Risikokonstellation jeder Patient ein Statin bekommen müsse, weil der Nachweis des Nutzens erbracht wurde.

Vermeidung von Thromben in den Blutgefäßen

Eine Sicht der Dinge, die Prof. Dr. Harald Darius, Vivantes Klinikum Berlin, auch im Zusammenhang mit der antithrombotischen Therapie bei der koronaren Herzkrankheit nur teilen kann. "Zur klassischen Therapie mit Acetylsalicylsäure (ASS), also 'Aspirin', ist in den letzen Jahren der Wirkstoff Clopidogrel gekommen, wodurch die Effizienz der Plättchenhemmung wesentlich gesteigert werden konnte. Das gilt auch für sogenannte Glykoproteinrezeptor-Antagonisten (GPIIb/IIIa Inhibitoren), die über die Venen verabreicht werden durch Blockierung bestimmter Rezeptoren das Entstehen von Blutgerinnseln in den Gefäßen verhindern, und deswegen bei Hochrisikopatienten etwa mit akutem Koronarsyndrom, vor oder während koronarer Katheterinterventionen Anwendung finden."

Kombinierte Therapie erweist sich als Vorteil

Die breiteste Anwendung bei der Behandlung des akuten Koronarsyndroms, also einer Art Vorstufe des Herzinfarktes, und nach perkutaner Koronarintervention mit Stent-Implantation findet heute die kombinierte antithrombotische Therapie mit ASS und Clopidogrel, wodurch zwei unabhängige Wege der Thrombozytenaktivierung eine synergistische Wirkungsweise besitzen.

Überzeugende Studienergebnisse

In der im März 2005 vorgestellten CCS-2/COMMIT Studie an 45.000 Patienten mit akutem Herzinfarkt ergab die Datenauswertung eindeutig, dass die frühe Gabe von Clopidogrel unmittelbar nach der Krankenhausaufnahme die effektivste Methode der Ereignisreduktion war. "Es ist somit eindeutig belegt, dass alle Patientenkollektive mit hohem kardialen Risiko von der Therapie mit Clopidogrel profitieren", so Prof. Darius. "Das bedeutet auch, dass jeder Patient mit entsprechender Indikation diese Therapie erhalten muss, weil er ansonsten in prognostischer Hinsicht eindeutig benachteiligt wäre."

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Medikamentenbeschichtete Stents: Erprobte Substanzen direkt am Ort des Geschehens

Innovative ("drug eluting") Stents sind mit einem entzündungshemmenden Medikament beschichtet, das über Tage kontinuierlich in die Gefäßumgebung abgegeben wird. Der besondere Vorteil besteht im direkten Einbringen der Substanz an den Ort des Geschehens. So lässt sich eine hohe lokale Wirkung mit fehlender systemischer Nebenwirkung verbinden. Prof. Dr. Harald Mudra, Krankenhaus Neuperlach: "In den größeren Studien der letzten zwei Jahre ist ganz klar gezeigt, dass medikamentenbeschichtete Stents zu weniger Wiedereinengungen "(Restenose") führt, dass die Prognose bezüglich Tod und Herzinfarkt deutlich günstiger ist, und dass diese Patienten weniger Krankenhausaufenthalte, weniger Katheteruntersuchungen und weniger erneute Interventionen benötigen, als Patienten mit nicht-beschichteten Stents." Sorgfältige Studienplanung erforderlich Die Frage, ob alle Patienten einen solchen Stent bekommen sollten, sei vor dem Hintergrund, dass die Restenoserate bei "bare metal stents" mit rund 30 Prozent nicht so hoch ist, aufgrund der bestehenden Datenlage nur mit Hypothesen beantwortbar. Patienten mit Diabetes mellitus und/oder langstreckigen Einengungen bei gleichzeitig niedrigem Querschnitt der Arterie kommen wahrscheinlich besonders in Betracht. Außerdem liegt in der Vermeidung von teuren Bypass-Operationen ein großes Einsparpotential. Hinzu kommt der Vorteil einer raschen Wiedereingliederungsmöglichkeit von noch berufstätigen Patienten in den Arbeitsprozess, also eine Vermeidung des Produktivitätsausfalls.

Effizient, aber kostenaufwändig

Was gegenwärtig noch nicht eindeutig für die neue Stent-Technologie spricht, ist der Preis, der ein vollständiges Wechseln vom sogenannten "bare metal stent" (Metallstütze) zum "drug eluting stent" zurzeit nicht realisierbar erscheinen lässt. Daher müsse noch im Detail erarbeitet werden, so die Experten in Mannheim, welche Patientengruppen am meisten von der neuen Stent-Technologie profitieren.

Weitere Informationen: www.dgk.org.

Diese Pressemitteilung wurde über den - idw - versandt.

zuletzt bearbeitet: 03.04.2005 nach oben

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