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40 bis 50 Prozent aller neuen Dialysepatienten sind Diabetiker

Pressemitteilung: Elisabeth-Krankenhaus

Sport hilft Dialysepatienten

Thea R. ist 82 Jahre alt und Dialysepatientin. Wegen eines Krebsleidens musste ihre rechte Niere entfernt werden. Durch eine Diabeteserkrankung fiel die Funktion der verbliebenen Niere allmählich auch aus, so dass eine regelmäßige Blutwäsche an der Dialyse erforderlich wurde. Zusätzlich mussten auf Grund von starken Verschleißerscheinungen beide Kniegelenke der Frau durch Prothesen ersetzt werden. Eine mangelhafte Pumpfunktion des Herzens verschlimmerte die gesundheitliche Situation von Thea R.

Fast ein Jahr lang war sie durchgehend in stationärer Behandlung und wurde schließlich bettlägerig und depressiv ins Pflegeheim entlassen. Auf Anraten des Nephrologen begann Frau R. im Dialysezentrum während ihrer Dialysezeiten mit Rehabilitationssport. Bereits vier Monate später war die Patientin wieder gehfähig, ihre Stimmungslage hatte sich wesentlich gebessert und schon bald war Thea R. wieder in der Lage - ohne fremde Hilfe - mit dem Taxi zur Dialyse zu fahren. Insgesamt war ihre Pflegebedürftigkeit stark zurückgegangen.

Hindernisse überwinden

Bereits seit über 20 Jahren wird versucht, die körperliche Leistungsfähigkeit von chronisch Nierenkranken durch ein körperliches Training zu steigern. In zahlreichen Studien konnte nachgewiesen werden, dass sich das regelmäßige Training günstig auf die körperliche Leistungsfähigkeit der Patienten auswirkt und es die bei Dialysepatienten häufigen Begleiterkrankungen Anämie, Bluthochdruck, zu hohe Blutfette und Depressionen zurückgehen lässt. Das Training für die Dialysepatienten fand zunächst nach dem Vorbild des Herzsports als ambulantes Gruppentraining in Turnhallen, Schwimmbädern oder auf Sportplätzen statt. Es zeigte sich jedoch, dass bei dieser Art des Rehabilitationstrainings nur weniger als ein Prozent der Patienten dazu gebracht werden konnte, daran teilzunehmen.

Das hohe Durchschnittsalter der Dialysepatienten von über 60 Jahren, häufige schwere Zusatzerkrankungen, Transportprobleme, Scheu vor den traditionellen Sportstätten und nicht zuletzt die durch die Krankheit bedingte Antriebs- und Motivationsschwäche verhindern eine Teilnahme am Gruppensport. Auf der Suche nach neuen Wegen, den Sport für die Dialysepflichtigen attraktiver zu machen, fand Privatdozent Dr. Anton E. Daul, Leiter der Abteilung für Nephrologie im Elisabeth-Krankenhaus Essen, eine Alternative: Während ihrer mehrstündigen Dialysezeiten dreimal pro Woche findet das Training für die Patienten im Dialysezentrum des Krankenhauses statt. So entfallen die meisten der Hindernisse, die die Teilnahme am Sportangebot für viele bisher unmöglich machten.

Kraft und Ausdauer

Die Dialysepatienten trainieren mit Hilfe eines Bettergometers, einer Art Fahrrad für Bettlägerige. Mit diesem Trainingsgerät, das mit einem Elektromotor ausgestattet ist, können die Beine der Dialysepflichtigen im Bedarfsfall auch passiv bewegt werden. Bevor ein neuer Patient ins Trainingsprogramm aufgenommen wird, absolviert er im Elisabeth-Krankenhaus einen Fitnesstest. Dabei werden auch die bei chronisch Nierenkranken oft erheblichen Zweiterkrankungen berücksichtigt, die aber kein Hindernis für die Teilnahme an den körperlichen Aktivitäten sein müssen.

Nach dem Test werden die Trainingseinheiten individuell auf den Patienten zugeschnitten, wobei neben dem Ausdauertraining mit dem Bettergometer auch gymnastische Übungen zur Verbesserung der Kraft, der Koordination und der Flexibilität in das Programm einbezogen werden. Da bei Dialysepatienten die Kraft in den Beinen besonders stark nachlässt, kann auch ein Krafttraining mit kleinen Gewichten, Sandsäcken und Terra-Bändern durchgeführt werden.

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Besser drauf

"In Deutschland ist es in den vergangenen Jahren nicht gelungen, Hämodialysepatienten über einen längeren Zeitraum in ein Sportprogramm einzubinden, das mehr als einmal pro Woche außerhalb der Dialyse stattfindet", stellt Dr. Daul fest. "Der Sport während der Dialyse ist deshalb für die meisten Patienten die einzige realistische und dauerhaft umsetzbare Form des Trainings. Durch die körperliche Bewegung während der Dialysezeit stellen sich viele erwünschte Effekte ein. So sinkt bei einer großen Prozentzahl der Patienten der zu hohe Blutdruck, so dass blutdrucksenkende Medikamente reduziert oder abgesetzt werden können.

Die Zahl der roten Blutkörperchen, die bei chronisch Nierenkranken krankheitsbedingt sehr niedrig ist, steigt durch das Training an. Die Effektivität der Dialyse insgesamt wird durch den Sport und die damit verbundene bessere Gewebedurchblutung positiv beeinflusst. Die vermehrte körperliche Bewegung hat außerdem einen positiven Einfluss auf die psychische Situation der Patienten und schafft oder verbessert die Voraussetzungen, um wieder vermehrt am Alltagsleben teilnehmen zu können. Bei leistungsfähigeren Patienten kann dies der erste Schritt sein, um auch außerhalb des Dialysezentrums wieder aktiver zu werden."

Ökonomisch sinnvoll

Auch unter gesundheitsökonomischen Gesichtspunkten ist der Rehabilitationssport sinnvoll. Die Einsparung von Ausgaben für blutdrucksenkende Medikamente, von Medikamenten zur Steigerung der Bildung roter Blutkörperchen und der Verringerung oder Verhinderung der Pflegebedürftigkeit sind beträchtlich. Im Fall von Thea R. kann durch die wiedererlangte Mobilität der Patientin, die jetzt wieder in der Lage ist, mit einem Taxi zum Dialysezentrum zu fahren, auf den bisher erforderlichen Krankentransport verzichtet werden. Allein dadurch werden jedes Jahr 16.000 Euro Transportkosten eingespart.

"Die Zahl der am Rehabilitationssport teilnehmenden Patienten könnte gesteigert werden, wenn in allen Dialysezentren ein solches Training während der Dialysezeit etabliert würde. Die Vorteile sollten zukünftig besser genutzt werden", so Dr. Daul. Im Fall von Thea R. hat sich die Teilnahme am Sportangebot des Elisabeth-Krankenhauses Essen bewährt. Frau R. hat erheblich an Lebensqualität zurück gewonnen - Lebensqualität, die man oft erst richtig zu schätzen weiß, wenn man sie vermisst hat.

zuletzt bearbeitet: 02.03.2005 nach oben

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