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Großer Andrang beim 1. Türkischen Diabetestag

Pressemitteilung: Diabetes-Portal DiabSite

Lebhafte Diskussionen über ein ernstes Thema

Anfang Dezember fand der 1. Türkische Diabetestag statt. Fast 600 Türkinnen und Türken kamen nach Mannheim, um über den Diabetes und seine Folgeerkrankungen mehr zu erfahren.

Studien zufolge sind acht bis zehn Prozent aller in Deutschland lebenden Türken Diabetiker. Damit liegt die Diabetikerrate deutlich über dem bundesdeutschen Durchschnitt. Die türkischen Diabetikerinnen und Diabetiker sind allerdings schlechter eingestellt oder sogar in keinerlei ärztlicher Behandlung.

Dr. Rasch, niedergelassener Nephrologe und Leiter eines Dialyse-Zentrums in Mannheim, nahm diese Befunde zum Anlass, den Türkischen Diabetestag ins Leben zu rufen. Sprachprobleme und kulturelle Unterscheide seien die Gründe für die ungenügende Diabetestherapie, erläutert Rasch in einem Artikel in der Ärzte Zeitung.

Aus eigener Erfahrung kenne er die Schwierigkeiten gerade im Umgang mit älteren Türkinnen, deren Kultur und Lebenseinstellung es fast unmöglich machen, die ernsten Probleme wie Folgeerkrankungen gar nur zur Sprache zu bringen, wie es im Artikel vom 14. Dezember 2005 weiter heißt.

Auf dem 1. Türkischen Diabetestag wurden in türkischer Sprache Vorträge über den Diabetes, dessen Therapieformen und Begleiterkrankungen gehalten. Die große Resonanz und die lebhafte Teilnahme an der späteren Diskussion zeigt das große Interesse am Diabetes mellitus.

Interesse allein ändert jedoch noch nichts an der mangelnden Versorgung der türkischen Patientinnen und Patienten. Dabei könnte der Schlüssel zum Erfolg im Vertrauen liegen. Nach einer Umfrage des Zentrums für Türkei-Studien fühlten sich 69 Prozent der Patienten bei deutschen Ärzten gut bis sehr gut betreut, wie ebenfalls die Ärzte Zeitung meldet. Um die dennoch vorhandenen Sprachprobleme und kulturellen Hemmnisse zu überbrücken, rät Rasch zur Zusammenarbeit mit türkischen Ärzten. Allein der Fakt, dass am Empfang eine türkische Arzthelferin säße, erhöhe die Chancen auf eine optimale Diabetes-Therapie.

Auch die Politik und die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) haben das Problem der defizitären Versorgung von Migrantinnen und Migranten erkannt. Seit nunmehr zehn Jahren existiert der bundesweite Arbeitskreis "Migration und öffentliche Gesundheit", der bei der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration angesiedelt ist. Der Arbeitskreis setzt sich für die Chancengleichheit im Gesundheitsbereich ein.

Mit der Bad Neuenahrer Erklärung zur Versorgung von an Diabetes erkrankten Migranten fordert auch die Deutsche Diabetes Gesellschaft deutliche Verbesserungen.

Es bleibt zu hoffen, dass diese Initiativen Unterstützung erfahren und der erstmals abgehaltene Türkische Diabetestag eine feste Institution in der hiesigen Diabeteslandschaft wird.

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Autor: sg; zuletzt bearbeitet: 17.12.2004 nach oben

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