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Ernährungsmedizin gegen Krankheiten und Milliardenkosten

Die Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik feiert ihren fünften Geburtstag

Fehlernährung und Übergewicht sind in Deutschland leider genauso alltägliche Erscheinungen wie hohe Krankenkassenbeiträge und ernährungs(mit)bedingte Krankheiten, stellt heute Diätassistent Sven-David Müller-Nothmann von der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V. zum bevorstehenden fünften Geburtstag der Gesellschaft am 19. November 2004 in Aachen fest.

Hier ein Debakel auf der Kostenseite vorauszusagen heißt nicht, wie ein Wahrsager in die Kristallkugel zu blicken, sondern schlicht die Fakten zur Fehlernährung und der körperlichen Aktivität auszuwerten, so Müller-Nothmann. Wir müssen den Menschen in Deutschland sagen, dass das Gesundheitssystem nicht in der Lage ist, für die selbst hervorgerufenen Folgen von Fehlernährung und Bewegungsmangel aufzukommen. Andernfalls steigen die Krankenkassenbeiträge in den kommenden 20 Jahren extrem.

Ernährungs(mit)bedingte Krankheiten verursachen nach Schätzung von Professor Rudolf Schmitz, Präsident der Gesellschaft, in diesem Jahr in Deutschland mindestens 75 Milliarden Euro Kosten[1]. Auch die Zahlen der Sterbestatistik sprechen für sich: 64,4 Prozent der Sterbefälle sind auf ein falsches Ernährungsverhalten zurückführbar[1], dies darf und muss nicht sein, kritisiert Ernährungswissenschaftlerin Judith Bünker.

Übergewichtige mit einem Body-Mass-Index über 30 haben ein deutlich erhöhtes Krankheitsrisiko. Das nehmen die 8,7 Millionen stark übergewichtigen Erwachsenen in Deutschland[2] hin und sehen nicht ein, dass sie für diese Tatsache selber verantwortlich sind, prangert Ernährungswissenschaftlerin Claudia Reimers an. Nur 15 Prozent dieser Menschen erreichen eine normale Lebenserwartung. Dicksein kostet Lebensjahre, fasst Müller-Nothmann die erschreckende Tatsache zusammen.

Die Solidargemeinschaft kann und darf zukünftig nicht mehr für Kosten aufkommen, die Menschen, die einen sitzenden Lebensstil pflegen, zu wenig körperlich aktiv sind und zu viele Kalorien aufnehmen, verursachen. Wir fordern einen Risikozuschlag für deutlich Übergewichtige, betont Müller-Nothmann. Andernfalls bricht das Gesundheitswesen schon in dieser Generation zusammen, da wir es auf(fr)essen und totsitzen. Die gesetzlichen Krankenkassen dürfen die Trägheit, das große (Fr)essen und Präventionsunwilligkeit der Bevölkerung nicht länger unterstützen.

Der Typ-2-Diabetes beispielsweise, unter dem in Deutschland mindestens 6 Millionen Menschen leiden, ist eine praktisch immer vermeidbare Krankheit. Typ-2-Diabetiker haben einen Bauch und der muss abnehmen, um den Blutzucker und den Blutdruck zu normalisieren. Hier ist viel mehr Eigeninitiative einzufordern. Für die Gesundheit des Individuums ist nicht der Staat oder die Krankenkassen verantwortlich. 98 Prozent der deutschen Bevölkerung essen zu wenig Gemüse und Obst und riskieren damit ernährungs(mit)bedingte Krankheiten, tadelt Ernährungswissenschaftlerin Susanne Sonntag.

Wir fordern die Menschen auf, mehr Gemüse und Obst anstelle von, und nicht - wie viele Übergewichtige meinen - zusätzlich zu Sahnetorte und Chips zu essen, betont die Vizepräsidentin der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik Dipl. troph. Doreen Nothmann abschließend.

Quellen

  1. Ernährungsabhängige Krankheiten und ihre Kosten. Band 27 Schriftenreihe des Bundesministeriums für Gesundheit, Nomos Verlagsgesellschaft Baden-Baden, 1993.
  2. Statistisches Bundesamt Mikrozensus 2003 - Fragen zur Gesundheit.

zuletzt bearbeitet: 18.11.2004 nach oben

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