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Warum Giacomo Casanova viele Austern aß

Viele Menschen nehmen zu wenig Zink auf.

Giacomo Casanova (1725 bis 1789) hat einmal gesagt, dass er zur Stärkung seiner Manneskraft mindestens 50 Austern mit dem eigenen Saft geschlürft habe. Und warum wohl? – Das lebenswichtige Spurenelement Zink kurbelt die Spermatogenese an, erläutert heute Lina Kamphausen von der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V. den Hintergrund des hohen Austernkonsums des Schwerenöters Giacomo Casanova.

Zink ist an der Funktion von 300 Enzymen beteiligt und in 50 Enzymen sogar enthalten. Neben dem Ablauf der Zellteilung benötigen auch die Abwehrzellen des Körpers Zink. Eine genügend hohe Zinkaufnahme stärkt somit die Abwehrkräfte, so der Gesellschaftssprecher Sven-David Müller-Nothmann. Eine Verkürzung der Erkältungsdauer erfolgt durch die antivirale Wirkung des Zinks einerseits und durch die Verbesserung der Schleimhautstruktur, die das Anheften und Eindringen von Erkältungsviren erschwert, anderseits. Außerdem wirkt Zink antioxidativ, also freien Radikalen entgegen, so Lina Kamphausen.

Die entzündungshemmende Eigenschaft des Zinks hilft nicht nur bei zahlreichen Hauterkrankungen wie Akne, Schuppenflechte und Neurodermitis, sondern auch bei Entzündungen von Magen- und Darmschleimhaut, beispielsweise Gastritis, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und Zöliakie. Zinkgaben wirken sich auch bei Leberzirrhose und Diabetes mellitus positiv aus, da man in beiden Fällen oft einen Zinkmangel diagnostizieren kann. Zink ist dabei natürlich kein Allheilmittel, verbessert aber die Therapieerfolge.

Zu wenig Zink im Körper kann viele Folgen haben: Haarausfall, rissige und trockene Haut, brüchige Haare und Nägel, verminderte Wundheilung und Hautentzündungen, Wachstumsstörungen, Appetitlosigkeit, Nachtblindheit, bei Männern Impotenz, Schwächung des Immunsystems und Dermatitis. Schwangere und Stillende weisen einen erhöhten Bedarf auf. Sportler verlieren zusätzlich Zink über Schweiß. Senioren haben eine verminderte Aufnahmefähigkeit, nicht nur von Zink. Hinzu kommt, dass sie sich oft fleischlos ernähren aufgrund von Zahnproblemen, und dass sie oft an Appetitlosigkeit leiden und nicht genügend Zink aufnehmen. Auch Vegetarier und Veganer sind gefährdet, weil sie durch die pflanzliche Ernährung viel Phytinsäure aufnehmen. Diese bildet mit Zink unlösliche Verbindungen, so dass der Körper Zink nicht mehr aufnehmen kann. Zink täglich mit der Nahrung zuzuführen ist notwendig, weil der Körper keinen Speicher besitzt.

Die Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V. empfiehlt täglich 15 Milligramm Zink aufzunehmen. Für Stillende und Schwangere lautet die Empfehlung 25 Milligramm Zink pro Tag. Das zinkreichste Lebensmittel ist mit großem Abstand die Auster. Danach folgen Rindfleisch, Seefisch, Milcherzeugnisse (vor allem Käse) und Eier. Zink aus tierischen Nahrungsmitteln ist besser verwertbar. Problematisch ist, dass sich die Resorption von Zink im Dünndarm durch Phytinsäure (in pflanzlichen Lebensmitteln enthalten), durch Tannine (in Tee und Kaffee enthalten) und durch hohe Eisen-, Kalzium-, Kupfer- oder Cadmiumzufuhren verringert. Die gleichzeitige Aufnahme von Eiweiß (beispielweise die Aminosäuren Histidin und Cystein) oder Zitronensäure erhöht die Resorption, so Kamphausen abschließend.

zuletzt bearbeitet: 22.10.2004 nach oben

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