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Wenn der Stoffwechsel verrückt spielt

Aktuelles aus der Praxis der Ernährungsberatung

Ist der Blutzuckerspiegel ständig überhöht, lassen die Cholesterinwerte den Arzt erblassen, sind vor lauter Bauch die Fußspitzen nicht mehr zu sehen und der Blutdruck sprengt fast das Messgerät? - wer hier eifrig nickt, ist eines der nächsten Opfer des tödlichen Quartetts, betont heute der Sprecher der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V., Sven-David Müller in Bad Aachen.

Das tödliche Quartett, das die World Health Organisation (WHO) bereits als Epidemie des 20. Jahrhunderts bezeichnete, ist eindeutig auf dem Vormarsch. Es ist sowohl in Deutschland mit 15 bis 20 Millionen Betroffenen [1] als auch in den meisten westlichen Industrienationen zur Volkskrankheit geworden - ein Ende ist laut Müller nicht in Sicht. Einige Schätzungen gehen sogar von einer Häufigkeit von 30 Prozent in den westlichen Industrienationen aus. [2]

Das tödliche Quartett, das der Arzt häufig auch als metabolisches Syndrom bezeichnet, äußert sich meist im Auftreten von vier Risikofaktoren: der Bluthochdruck, erhöhte Blutzuckerspiegel, erhöhte Blutfettwerte und ein bauchbetontes Übergewicht schütteln den Stoffwechsel der Betroffenen ordentlich durcheinander, so Müller. Ist eine Person am metabolischen Syndrom erkrankt, wirken Übergewicht und Bewegungsmangel verstärkend auf eine offenbar genetisch vorbestimmte Resistenz der Zellen gegenüber dem blutzuckersenkenden Hormon Insulin, erläutert Müller. Infolge dessen steigt der Blutzuckerspiegel an.

Weiterhin erfolgt ein gesteigerter Fettabbau in den Fettzellen am Bauch, der den Blutzuckerspiegel weiter nach oben treibt, da die Leberzellen die Produkte des Fettabbaus ebenfalls in Zucker umwandeln, erläutert der Experte. Da die am Bauch angelagerten Fettzellen weitestgehend resistent gegenüber dem Insulin sind, produziert die Bauchspeicheldrüse immer mehr von dem Hormon - die Folge ist ein ständig erhöhter Insulinspiegel, der die Entstehung eines Bluthochdrucks begünstigt.

Produziert die Bauchspeicheldrüse jedoch über lange Zeit hinweg übermäßige Mengen an Insulin, lässt diese Funktion irgendwann nach und die Produktion kommt zum Erliegen. Da daraufhin zu wenig Insulin vorhanden ist, bildet sich ein Diabetes mellitus Typ 2 aus - der Blutzuckerspiegel ist weiterhin erhöht, zeichnet Müller den Teufelskreis nach.

Wer am metabolischen Syndrom leidet, hat ein 5,5 fach erhöhtes Risiko für die Ausbildung gefährlicher Herz-Kreislauf-Krankheiten wie beispielsweise Herzinfarkten oder Schlaganfällen [1]. Abhilfe schafft laut Müller nur eine nachhaltige Gewichtsreduktion, eine lebenslange ausgewogene, fettmodifizierte, ballaststoffreiche Ernährungsweise, reichlich Bewegung und das Ausschalten von Risikofaktoren wie beispielsweise Rauchen.

Neben den gesundheitlichen Risiken für den Einzelnen besteht eine enorme finanzielle Belastung für das Gesundheitssystem: Nach Berechnungen werden etwa die Hälfte der Behandlungskosten der gesetzlichen Krankenkassen durch ernährungsbedingte Krankheiten wie dem metabolischen Syndrom verursacht, betont Müller abschließend.

Quellen

  1. Schauder, U, Ollenschläger, P: Ernährungsmedizin. 2. Auflage, Urban & Fischer, München, Jena, 2003, S. 682, 677.
  2. Maid-Kohnert, U (Red.): Lexikon der Ernährung. Spektrum Akad. Verlag, Heidelberg, Berlin, 2001, Band 3, S. 387.

zuletzt bearbeitet: 18.10.2004 nach oben

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