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Stellungnahme der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) zum Beitrag "Insulinanaloga"

In der Fernsehsendung "FAKT" am Montag, dem 16. Februar 2004, 21:05 Uhr; ARD/MDR

Fakt berichtet in dem Beitrag über sogenannte Analog-Insuline. Die Art der Berichterstattung könnte den Eindruck erwecken, dass diese Insuline bei Diabetikern langfristig eine Krebserkrankung auszulösen vermögen.

Als Analog-Insuline werden Insuline bezeichnet, die künstlich hergestellt werden. (Übrigens werden auch menschliche Insuline künstlich hergestellt.) Analog-Insuline weisen im Vergleich zu menschlichen Insulinen Veränderungen am Insulinmolekül auf. Diese Veränderungen führen nicht zu einer Änderung der Insulinwirkung selbst; diese Insuline schleusen genauso wie menschliches Insulin oder tierische Insuline den Blutzucker aus dem Blutstrom in die Körperzellen ein, senken also den Blutzucker auf dieselbe Weise wie menschliches oder tierisches Insulin.

Jedes Insulin muss gespritzt werden, d. h. dem Zuckerkranken von außen zugeführt werden, menschliches Insulin genauso wie tierische Insuline oder Analog-Insuline. Analog-Insuline haben jedoch einen Vorteil gegenüber gespritzten menschlichen oder tierischen Insulinen. Der Übertritt der Analog-Insuline von der Spritzstelle im Unterhautfettgewebe in die Blutbahn erfolgt mit anderer Geschwindigkeit. Durch diesen Trick lassen sich die natürlichen Bedingungen, die beim Gesunden vorliegen, viel besser nachahmen. Bei Behandlung mit Analog-Insulinen kommt man also den Verhältnissen eines Gesunden viel näher als bei Behandlung mit menschlichem Insulin selbst oder mit tierischen Insulinen.

Die Forderungen der Diabetesspezialisten, für die Therapie Insuline in die Hand zu bekommen, mit denen die natürlichen Lebensbedingungen beim Gesunden besser nachgeahmt werden können, war schließlich der Grund für die Industrie, diese Insuline zu entwickeln. Sie stellen einen eindeutigen Fortschritt in der Behandlung der Zuckerkrankheit dar.

Versuche im Reagenzglas haben gezeigt, dass Analog-Insuline genauso wie menschliches Insulin oder tierische Insuline nicht nur den Stoffwechsel, sondern auch die Zellteilung beeinflussen können. Sie wirken dabei ähnlich wie bestimmte Wachstumsfaktoren. Diese sogenannte "mitogene" Wirkung, die an einer - für ganz andere Zwecke im Reagenzglas gezüchteten - bestimmten Tumorzellart gefunden wurde, ist beim Menschen nicht erwiesen. Eine krebsfördernde Wirkung von Insulinen ist nicht bekannt.

Die DDG hat dies bereits früher umfassend diskutiert. "Prinzipiell neue Gesichtspunkte haben sich seitdem nicht ergeben", betont Professor Dr. Peter Bottermann, Pressesprecher und Ärztlicher Generalsekretär der DDG. Die DDG verweist in diesem Zusammenhang deshalb auf eine von ihr im Dezember 2000 veröffentliche Stellungnahme mit dem Titel: Stellungnahme zur mitogenen Wirkung von Insulin und Insulinanaloga (Zusatzinformationen für Experten, Anm. d. Red.).

zuletzt bearbeitet: 23.02.2004 nach oben

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