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Diabetes-Akademie Mergentheim entwickelt neues Schulungsprogramm für Typ-1-Diabetiker

Pressemitteilung: BERLIN-CHEMIE AG

HyPOS: Positives Selbstmanagement hilft Patienten mit Hypoglykämieproblemen

Das Projekt wird gefördert und unterstützt von der BERLIN-CHEMIE AG

Hypoglykämien sind die häufigsten Nebenwirkungen einer Insulintherapie und können in schweren Fällen bis zur Bewusstlosigkeit oder zum Koma führen. Das Problem: Einerseits tragen nur normnahe HbA1c-Werte zur Prävention von Folgeerkrankungen bei. Andererseits treten jedoch gerade bei gut eingestellten Patienten verstärkt Hypoglykämien auf. Häufige Hypoglykämien können aber dazu führen, dass Hypoglykämie-Symptome von den Betroffenen nicht rechtzeitig erkannt werden. Die Folge: Der Patient kann nicht mehr gegensteuern. Etwa 30 Prozent der Typ-1-Diabetiker sind davon betroffen.

Der Schlüssel zur sicheren Blutglukoseeinstellung besteht darin, Patienten mit Hypoglykämieproblemen so zu schulen, dass sie durch einen verbesserten Umgang mit Unterzuckerungen im Alltag weniger Hypoglykämien haben und so auch Symptome rechtzeitig erkennen können. Es besteht hier nach wie vor ein Defizit an geeigneten strukturierten Schulungsansätzen, die am Diabetes-Selbstmangement der Betroffenen ansetzen. Die Diabetes-Akademie Mergentheim hat mit HyPOS - Hypoglykämie Positives Selbstmanagement ein neuartiges Schulungsprogramm entwickelt, das diese Lücke schließen soll. Das Schulungsprogramm, das von der BERLIN-CHEMIE AG unterstützt und gefördert wird, wurde jetzt in Frankfurt vorgestellt.

Die Hauptursache für eine Störung der Hypoglykämiewahrnehmung, die bei einem Drittel aller Patienten mit Typ-1-Diabetes auftritt, ist die Anpassung des menschlichen Körpers an niedrige Blutzuckerwerte. Sinkt der Blutglukosewert häufig unter 60 mg/dl (303 mmol/l), so treten typische Hypoglykämiesymptome wie Zittern, Schwitzen oder Konzentrationsprobleme erst bei einem noch niedrigeren Blutglukosewert auf. Hierdurch verstärkt sich das Problem der Wahrnehmung in zweierlei Hinsicht: Durch das Nichterkennen der Hypoglykämie infolge fehlender Symptome bleibt diese unbehandelt, wodurch wiederum ein Anpassungsprozess an einen noch niedrigeren Blutglukosewert ausgelöst und so das Wahrnehmungsdefizit zusätzlich verstärkt wird. Die Folge ist ein stetiges Fortschreiten dieses Prozesses. Die Unterzuckerung wird von den Patienten häufig erst dann bemerkt, wenn sie kaum mehr imstande sind, sich selbst zu helfen.

Sind Typ-1-Diabetiker so eingestellt, dass ihr HbA1c-Wert nahe dem Normalbereich des Nichtdiabetikers liegt, so trägt dies einerseits zur Prävention von diabetischen Folgeerkrankungen bei. Gleichzeitig treten jedoch gerade bei diesen Patienten verstärkt Hypoglykämieprobleme und schwere Hypoglykämien auf, die zu Krampfanfällen und Bewusstlosigkeit führen können.

Empowerment des Patienten

In den überwiegenden Fällen sind die Ursachen von Hypoglykämieproblemen im Umgang des Patienten mit seiner Erkrankung, in seinem alltäglichen Diabetes-Selbstmanagement, zu suchen. Eine wichtige Rolle spielen dabei oft starke Ängste vor diabetischen Folgeerkrankungen, die Patienten streben daher oft "ehrgeizige Blutzuckerzielbereiche" an. Darüber hinaus spielen individuelles Risikoverhalten und Aspekte der sozialen Kompetenz oft eine wichtige Rolle. Aus diesen Gründen kommt dem individuellen Diabetes-Selbstmanagement eine besondere Bedeutung zu.

Bestehende Schulungsprogramme unterstützen den Patienten bei der Entwicklung dieser Fähigkeit in Hinblick auf Unterzuckerung nur unzureichend. Es existieren zwar bereits strukturierte Ansätze zur Verbesserung der Hypoglykämiewahrnehmungsfähigkeit für Diabetes-Patienten, jedoch keine strukturierten und wissenschaftlich evaluierten Schulungskonzepte zur Behandlung und Prävention von Hypoglykämieproblemen, die vorrangig bei einer Stärkung der Selbstmangement-Kompetenzen und gesundheitsbezogenen Einstellungen des Patienten ansetzen.

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HyPOS: Mit Unterzuckerung besser umgehen

Das strukturierte Schulungsprogramm HyPOS wurde von der Diabetes-Akademie Mergentheim entwickelt und richtet sich an Typ-1-Diabetiker mit Hypoglykämieproblemen. Zu den Hypoglykämieproblemen zählen Schwierigkeiten im Umgang mit Unterzuckerungen im Alltag, die eingeschränkte Hypoglykämiewahrnehmungsfähigkeit sowie die hieraus resultierenden Belastungssituationen und Konflikte.

HyPOS umfasst 5 Kursstunden mit jeweils 90 Minuten in Kleingruppen unter Leitung einer qualifizierten Schulungskraft und ist für die ambulante Versorgung (diabetologische Schwerpunkteinrichtungen/Schwerpunktpraxen) konzipiert worden. Gemäß des Grundsatzes "Unterzuckerungen - wahrnehmen, bewältigen und vermeiden" werden Strategien zur Verbesserung des Umgangs mit der Hypoglykämie vermittelt, wie beispielsweise die Thematisierung von Ängsten vor Folgeerkrankungen, riskantem Verhalten und individuellen Blutglukosezielbereichen. Es wird angestrebt, die Wahrnehmung des Patienten für Hypoglykämien zu verbessern.

Als Hilfsmittel dient hier unter anderem ein Hypoglykämietagebuch, das von jedem Schulungsteilnehmer geführt wird. Zudem werden Hilfestellungen zu Konflikten gegeben, die sich infolge von Hypoglykämieproblemen im sozialen Umfeld des Patienten entwickeln können. Auch mögliche psychosoziale Belastungen des Diabetes-Patienten werden hierbei angesprochen. Strategien zur Vermeidung von Unterzuckerungen, wie beispielsweise durch ein Erhöhen des Blutglukosezielwertes, eine Anpassung der Therapieform auf die Patientenbedürfnisse oder durch häufige Kontrolle der Blutglukose, sind ein weiterer wichtiger Baustein des Programms.

Wirksamkeit beweisen: Die Evaluationsphase

HyPOS wird zurzeit im Rahmen einer prospektiven, randomisierten kontrollierten Studie gegen eine Vergleichsschulung evaluiert. Das Design der Studie orientiert sich an den Vorgaben der Deutschen Diabetes-Gesellschaft zur Zertifizierung von strukturierten Schulungsprogrammen. Ausgewählte Schwerpunktpraxen aus ganz Deutschland nehmen an dieser multizentrischen Studie teil, die eine Probandenanzahl von 200 Patienten vorsieht. Eingeschlossen sind Typ-1-Diabetiker mit manifester Hypoglykämieproblematik (Hypoglykämiewahrnehmungsstörung und schwere Hypoglykämie mit Bewusstlosigkeit/Fremdhilfe in der Anamnese) sowie Hochrisikopatienten (beeinträchtigte Hypoglykämiewahrnehmung, aber noch keine schweren Hypoglykämien mit Fremdhilfe/Bewusstlosigkeit). Primäre Zielkriterien sind die Prävalenz leichter Hypoglykämien und die Hypoglykämiewahrnehmung. Als sekundäre Zielvariablen werden das Auftreten schwerer Hypoglykämien sowie psychosoziale Zielparameter erhoben.

Der Abschluss der Datenerhebungsphase, Datenanalyse und Ergebnisbericht sind für Ende 2004 geplant.

BERLIN-CHEMIE AG unterstützt HyPOS

Die BERLIN-CHEMIE AG, die seit 1992 zur internationalen Menarini-Gruppe (Florenz, Italien) gehört, ist eines der führenden forschenden pharmazeutischen Unternehmen mit Forschungsschwerpunkten im Bereich der galenischen Entwicklung und klinischen Forschung. Im Bereich der Diagnostik und Therapie des Diabetes mellitus verfügt die BERLIN-CHEMIE AG über eine Produktpalette, die zu den größten Deutschlands zählt.

Neben der Erforschung und Entwicklung innovativer Arzneimittel und Medizinprodukte will die BERLIN-CHEMIE AG aktiv die Entwicklungen neuer Versorgungsformen mitgestalten. Die von der BERLIN-CHEMIE AG initiierten und bearbeiteten Projekte zielen auf die koordinierte Patientenführung, welche die Versorgungsleistungen an der Krankheit und den Bedürfnissen des Patienten ausrichtet, um zu einer optimalen Behandlung zu führen. Besonders im Bereich Diabetes mellitus fördert und unterstützt die BERLIN-CHEMIEAG zahlreiche Projekte. So wird jährlich der Menarini-Preis ausgeschrieben, der Projekte der Diabetesforschung honoriert. Die BERLIN-CHEMIE AG engagiert sich besonders im Bereich der Diabetikerschulung. So fördert das Unternehmen neben dem Projekt "HyPOS - Hypoglykämie positives Selbstmanagement" der Diabetes-Akademie Mergentheim auch ein Programm zur strukturierten Schulung geriatrischer Patienten mit Diabetes (SGS).

zuletzt bearbeitet: 10.12.2003 nach oben

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