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Haben Arzneimittelinnovationen in Deutschland noch eine Chance?

Pressemitteilung: GlaxoSmithKline (GSK)

Zu Unrecht angefeindet: Analogpräparate helfen sparen!

Moderne Arzneimittel werden in Deutschland zunehmend für die Finanzkrise der Gesetzlichen Krankenversicherung verantwortlich gemacht. Ihnen gelten schon seit Jahren die Eingriffe des Gesetzgebers und das, obwohl die patent-geschützten Medikamente nur 3,6 % der Gesamtkosten des GKV-Marktes ausmachen.

Dabei schafft ihr Einsatz medizinische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Werte, wie die Teilnehmer des Pressegesprächs von Glaxo SmithKline GmbH & Co. KG in Berlin belegen konnten. Und sie waren sich einig: medizinische "Innovation nach Kassenlage" kann nicht Ziel einer auf Qualität ausgerichteten Gesundheitspolitik sein.

Professor Eberhard Wille, Vorsitzender des Sachverständigenrates für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen, will die Entscheidung über den Einsatz von neuen Arzneimitteln dem Arzt überlassen. Der Grund: In seinem Gutachten im Auftrag von GlaxoSmithKline hat er für die Jahre 1995 bis 2002 eine sogenannte Innovationskomponente errechnet. Sie dokumentiert den Finanzbedarf, den die GKV für den Einsatz moderner Arzneimittel zur Verfügung stellen muss. Und er konnte belegen: "Der zusätzliche Bedarf der GKV für den Einsatz neuer Medikamente lag im Untersuchungszeitraum zwischen 2,8 % und 4,8 % der jährlichen Arzneimittelausgaben. Von einer Kostenexplosion oder einer innovationsbedingten Finanzierungs-krise kann also keine Rede sein," so Prof. Wille.

Für die gesundheitspolitische Diskussion schlug Wille die Entwicklung von indikationsspezifischen Richtgrößen vor. Damit ließe sich sicherstellen, dass das zusätzliche Geld für solche Indikationsgebiete zur Verfügung steht, in denen den Patienten neue Therapien angeboten werden können.

Zu Unrecht angefeindet: Analogpräparate helfen sparen!

Professor Bertram Häussler, Direktor des Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung in Berlin, versteht nicht, warum die Gesundheitspolitik auf Präparaten herumhackt, deren einziger Nachteil es ist, nicht als erste auf den Markt gekommen zu sein. Denn diese trügen ganz erheblich zu einem lebhaften Preis- und Präparatewettbewerb bei. Statt sie zu verteufeln, müssten Krankenkassen ihren Einsatz fördern, da durch sie erhebliche Einsparpotenziale für die GKV erzielt werden könnten. Dieser Wettbewerb, so Häussler, werde von den behandelnden Ärzten durchaus wahrgenommen und für eine wirtschaftliche und moderne Patientenversorgung genutzt.

Der Arzt im Dilemma

Die Ärzte stünden vor einem Dilemma, wie der Ehrenvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, Dr. Jürgen Bausch, ausführte: Auf der einen Seite habe der Patient Anspruch auf eine Versorgung gemäß dem anerkannten Stand der medizinischen Wissenschaft. Auf der anderen Seite werde der Arzt durch zahlreiche Regularien ökonomischen Zwängen unterworfen.

Bausch warnte aber vor dirigistischen Eingriffen in Form von Überregulierung oder Überintervention. Er erinnerte aber gleichzeitig daran, dass neue Arzneimittel ihren Zusatznutzen in der Praxis unter Beweis stellen müssten.

Unbestritten: Der Nutzen innovativer Arzneimittel

Auch Dr. Thomas Werner, Vorsitzender der Geschäftsführung von GlaxoSmithKline wies auf die hohe Bedeutung innovativer Arzneimittel hin. So hätten Studien belegt, dass nach der Einführung der antiretroviralen Therapie (HAART) die Gesamtbehandlungskosten pro HIV-Patient um ein Drittel gesenkt werden konnten. Und durch den Einsatz moderner Asthmamittel konnte die Zahl der Krankenhauseinweisungen in Deutschland deutlich reduziert werden.

Werner befürchtet, dass durch politische Eingriffe wie Disease Management-Programme oder Bonusverträge gesundheitliche Aspekte unter- und budgetäre Faktoren überbewertet werden: Schon jetzt schneide Deutschland bei der Versorgung mit modernen Medikamenten im europäischen Vergleich schlecht ab. Dies habe natürlich unmittelbare Auswirkungen auf die Arzneimittelforschung in Deutschland, wobei er die Rolle der pharmazeutischen Industrie betonte: Von 284 neuen Arzneimitteln, die zwischen 1990 und 1999 in den USA eingeführt wurden, wurden 93 % von der pharmazeutischen Industrie entwickelt und nur 7 % waren durch staatlich unterstützte oder universitäre Forschung zustande gekommen.

"Bedauerlich ist, dass die meisten zurzeit stattfindenden Diskussionen über die Rolle der Arzneimittel im Gesundheitswesen sich nicht auf deren langfristigen Wert, sondern auf die kurzfristigen Kosten konzentrieren", so Werner. Ein Ausweg aus der 'Krise' sei möglich, setze aber bestimmte Rahmenbedingungen voraus. So müsse die sektorale Abschottung einer sinnvollen Kooperation aller im Gesundheitswesen Beteiligten weichen. Und er warnte vor "heimlichen Rationierungen", wie sie den Patienten unter Bonusverträgen oder Disease-Management-Programmen drohten.

zuletzt bearbeitet: 20.11.2003 nach oben

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