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Disease-Management-Programm Diabetes für Patienten und Ärzte zu bürokratisch

Ursache ist die Koppelung der DMP an den Risikostrukturausgleich

Weniger Bürokratie bei den Disease-Management-Programmen (DMP) fordert der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNo), Dr. Leonhard Hansen, anlässlich des Weltdiabetestages am 14. November 2003.

Besonders deutlich trete die Überbürokratisierung bei der Umsetzung des DMP-Diabetes zu Tage. Das strukturierte Behandlungsprogramm für Typ-2-Diabetiker startete in Nordrhein am 1. Juli 2003. Anfang November 2003 waren rund 142.000 Diabetiker (von rund 350.000 gesetzlich versicherten Diabetikern) in das DMP-Programm eingeschrieben. Sie werden betreut von 3.146 diabetologisch geschulten Hausärzten und 110 diabetologischen Schwerpunktpraxen.

"Hohe bürokratische Hürden erschweren jedoch den Praxisalltag und sind eine Last für interessierte Patienten", kritisiert Hansen. Eine Vereinfachung sei vor allem bei der Dokumentation, der Datenübermittlung und den Regelungen zur Unterschrift der Patienten notwendig. "Ohne Verschlankung sind die medizinischen Inhalte der Programme gefährdet", fürchtet Hansen.

Ein Beispiel sei der sehr umfangreiche und zum Teil implausible Erst-Dokumentationsbogen. Ausfüllen müsse der Arzt 51 detaillierte Informationsfelder. Vergesse der Arzt an einer Stelle ein Kreuz, bekomme er den Dokumentationsbogen mit der Aufforderung, ihn zu korrigieren, zurückgeschickt. Folge: Der Patient muss zur erneuten Unterschrift der Ergänzung in die Praxis einbestellt werden. Ein vermeidbarer Aufwand für die Praxis und die Patienten.

Ursache dieser überbordenden Bürokratie sei, so Hansen, die Koppelung der DMP an den Risikostrukturausgleich der Krankenkassen. Die Programme sind so angelegt, dass eine Krankenkasse, die viele DMP-Patienten hat, mehr Geld aus dem Ausgleichstopf der gesetzlichen Krankenkassen, dem Risikostrukturausgleich, erhält als andere. Um dies zu berechnen, ist die umfangreiche Dokumentation erforderlich. Die damit verbundene Bürokratie verschlinge Millionen Euro, die der medizinischen Versorgung fehlten, beklagt Hansen.

Das DMP Diabetes konzentriert sich auf die Versorgung von Typ-2-Diabetikern und ersetzt für diese den bisher in Nordrhein geltenden Strukturvertrag. Die aktive Teilnahme und das Prinzip der Eigenverantwortung der eingeschriebenen Patienten am Behandlungsprogramm und an den vereinbarten individuellen Therapiezielen sind eine wesentliche Voraussetzung dieses strukturierten Behandlungsprogrammes.

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zuletzt bearbeitet: 13.11.2003 nach oben

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