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Mehr Lebensqualität für ältere Menschen mit Diabetes

Pressemitteilung: BERLIN-CHEMIE AG

BERLIN-CHEMIE AG fördert Programm zur strukturierten Schulung geriatrischer Patienten mit Diabetes (SGS)

Infolge der demographischen Entwicklung und dem stetig zunehmenden Lebensalter hat insbesondere die Zahl der älteren Typ-2-Diabetiker stark zugenommen. Es ist davon auszugehen, dass etwa zwei Drittel aller Menschen mit Diabetes mellitus älter als 60 Jahre alt sind. Häufig liegt bei diesen Patienten eine Multimorbidität vor, die spezifische Behandlungsstrategien und Therapieziele erfordert. In Berlin wurde jetzt das Konzept der strukturierten Schulung geriatrischer Patienten mit Diabetes (SGS) vorgestellt, das speziell auf diese Patientengruppe zugeschnitten ist und erstmals eine adäquate Behandlung älterer Menschen mit Diabetes mellitus ermöglichen soll.

Die Schulung des Patienten sollte bei einer erfolgreichen Diabetes mellitus Behandlung im Mittelpunkt stehen. Bisher gibt es zwar zahlreiche Schulungsprogramme, die sich jedoch vor allem an junge Menschen bzw. Typ-2-Diabetiker mittleren Alters wenden. Diese Konzepte werden allerdings den speziellen Bedürfnissen älterer multimorbider Diabetespatienten nicht gerecht.

Körperliche Defizite wie eine verminderte Sinneswahrnehmung oder Immobilität erschweren das Diabetesmanagement. Aber auch der altersbedingte intellektuelle Abbau oder häufig auftretende Altersdepressionen stellen hohe Anforderungen an die Behandlung geriatrischer Diabetespatienten. "Eine Schulung ist jedoch auch für geriatrische Diabetiker bei Beachtung lerntheoretischer Besonderheiten des Älteren und unter Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen möglich und sinnvoll", erklärte Dr. Dr. Andrej Zeyfang, Ulm.

Schulung den Patientenbedürfnissen anpassen

Die auf der Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft im Mai 2002 gegründete Arbeitsgemeinschaft "Diabetes und Geriatrie" hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, durch verschiedene Förderungsprogramme die Versorgungssituation von geriatrischen Patienten mit Diabetes mellitus zu verbessern und deren Lebensqualität zu erhalten. Ein Projekt ist die Entwicklung eines speziellen Schulungsprogramms, das den Bedürfnissen dieser Patienten gerecht wird. Das Unternehmen BERLIN-CHEMIE AG ist als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft maßgeblicher Förderer der strukturierten Schulung geriatrischer Patienten mit Diabetes (SGS).

Pilotstudie bestätigt SGS-Konzept

Geriatrische Patienten werden aufgrund ihrer körperlichen oder kognitiven Defizite häufig für nicht schulbar oder nicht schulungsbedürftig gehalten. Eine Studie, die von Zeyfang et.al. 2001 zur Überprüfung des Einsatzes des neu entwickelten SGS durchgeführt wurde, zeigte jedoch andere Ergebnisse.

Eingeschlossen waren multimorbide Diabetespatienten mit einem Durchschnittsalter von 77 Jahren (n=188). Ein Wissenstest vor und nach der Schulung überprüfte den Wissenszuwachs. Durch das SGS betrug der Wissenszuwachs im Mittel 2,3 Punkte gegenüber ungeschulten Patienten. Die Probanden äußerten eine hohe Zufriedenheit mit dem Vorgehen des SGS und eine große Bereitschaft, das Erlernte im Alltag umzusetzen. Die Lebensqualität wurde von 34 % der Probanden im Anschluss an die Schulung als "sehr gut" eingeschätzt. Zu Beginn der Schulung betrug dieser Prozentsatz lediglich 18 %. Das SGS ermöglicht einen guten Wissenszuwachs bei guter Umsetzbarkeit auf der Alltagsebene und verbessert somit vor allem das Selbstmanagement des älteren Diabetikers, so Zeyfang.

Der geriatrische Patient steht im Mittelpunkt

Das SGS richtet sich an ältere, multimorbide Diabetiker, die geriatrischen Syndrome aufweisen. Durch Hilfe zur Selbsthilfe sollen die Betroffenen im Umgang mit ihrer Erkrankung gestärkt und gefördert werden, um hierdurch zu einer Verbesserung der Lebensqualität beizutragen. Den inhaltlichen Schwerpunkt bildet neben der Vermittlung von Basiswissen die Umsetzung des Gelernten im Alltag. Durch die Auswahl einer für geriatrische Patienten geeigneten didaktischen Methodik wird der Lernerfolg maßgeblich gesteigert. So wird das Schulungsprogramm in Kleingruppen durchgeführt, in denen altersrelevante Probleme möglichst einfach verständlich (z. B. Vermeidung von Fremdworten, großes Schriftbild) erläutert werden.

Das auditive Lernen (Frage und Antwort) steht hierbei im Vordergrund, wodurch die Teilnehmer nicht überfordert werden. Dies ist wichtig, da die scheinbare Lernunfähigkeit oft Lernunsicherheit ist. Durch den persönlichen Rahmen der Kleingruppe und das Eingehen auf die individuelle Lebenssituation der Patienten kann Vertrauen aufgebaut werden als Voraussetzung für eine positive Lebensgestaltung trotz Krankheit. Der geriatrische Patient wird in seiner Selbstmanagementstrategie gestärkt, was zu einer Vermeidung von Abhängigkeit und Pflegebedürftigkeit beiträgt und nicht zuletzt auch Pflegekosten spart.

Startschuss zur Evaluation des SGS fällt in Berlin

Das SGS wird nun in Kürze in 21 geriatrischen Zentren als prospektive, randomisierte, multizentrische Studie evaluiert. Die von dem SGS ausgehenden Effekte im Hinblick auf das Diabetes-Management, den Gesundheitszustand, die geriatrischen Syndrome und die Lebensqualität werden im Vergleich zu bisher üblichen Typ-2-Diabetes-Schulungsprogrammen erfasst. Ziel ist die Akkreditierung durch die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) und die Krankenkassen.

Quellen

  • Diabetes-Seminar: Evaluierung des strukturierten Behandlungs- und Schulungsprogramms für geriatrische Patienten mit Diabetes mellitus - SGS, 18./19. Oktober 2003, Berlin, unterstützt von der BERLIN-CHEMIE AG und der Deutschen Diabetes-Stiftung.
  • Zeyfang et.al.: Diabetes und Stoffwechsel, 10, 203-207 (2001).

zuletzt bearbeitet: 19.10.2003 nach oben

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