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Ein Meilenstein auf dem Weg zur elektronischen Patientenakte

Forschungsprojekt "Archsig" entwickelt erstmals rechtsfähige Langzeitsignatur für Dokumente

Teilnehmer/innen der Gerichtsprozesse Einen Meilenstein auf dem Weg zur elektronischen Patientenakte haben jetzt Experten in Heidelberg gelegt. In mehreren simulierten Gerichtsprozessen wurde bundesweit erstmals nachgewiesen, dass die elektronische Langzeitsignatur (Unterschrift), die im Forschungsprojekt "Archisig" entwickelt wurde, in Rechtsverfahren Bestand hat. Damit ist eine wesentliche Voraussetzung für das angestrebte "papierarme Krankenhaus" geschaffen. Der Prototyp der elektronisch signierten Patientenakte wird derzeit in der Abteilung "Allgemeine Klinische und Psychosomatische" Medizin (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Wolfgang Herzog) der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg erprobt und soll in den kommenden Monaten in der gesamten Klinik zum Einsatz kommen.

Mit der Signatur können Änderungen und Urheberschaft an Dokumenten auch noch 30 bis 40 Jahre nach ihrer Erstellung nachvollzogen werden. So ist es möglich, elektronisch signierte Krankenakten Jahrzehnte lang zu archivieren und als Beweismittel heranzuziehen, etwa wenn es um die Anerkennung von Berufskrankheiten oder Kunstfehlerprozesse geht. Die technische Verschlüsselung der Nutzersignatur durch sogenannte "kryptographische Algorithmen" ist nicht nur sicher, sondern kann auch kostengünstig realisiert werden.

"Archisig ist weit über das Gesundheitswesen hinaus für alle Bereiche von Wirtschaft und Verwaltung, die mit rechtsfähigen Dokumenten umgehen, von großer Bedeutung", erklärte Prof. Dr. Paul Schmücker von der Fachhochschule Mannheim, Konsortialführer des Archsig-Projektes, bei einer Pressekonferenz am 16. Oktober in Heidelberg. Projektpartner sind neben dem Universitätsklinikum Heidelberg und der Fachhochschule Mannheim die Fraunhofer Gesellschaft Darmstadt, die Niedersächsische Staatkanzlei Hannover, die Universität Kassel, das Informatikzentrum Niedersachsen, sowie die IT-Firmen Datev eG, Nürnberg, IXOS Software, München, Pergis Systemhaus, Ludwigshafen und T-Systems Austria, Wien. "Archisig" wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit über zwei Jahre mit rund 1,5 Millionen Euro gefördert.

Im Notfall ist die elektronische Patientenakte sofort zur Hand

Die elektronische Patientenakte gestattet allen behandelnden Ärzten und Pflegemitarbeitern unmittelbaren Zugriff auf die benötigten Unterlagen des Patienten", erklärte Prof. Herzog bei der Pressekonferenz. Insbesondere bei Notfällen, aber auch bei einer erneuten ambulanten oder stationären Betreuung des Patienten im Klinikum könnten dadurch Verzögerungen und ggf. sogar Doppeluntersuchungen vermieden werden. Es wird angestrebt, einen möglichst großen Anteil der medizinischen Dokumente direkt elektronisch zu erzeugen. Die verbleibenden Unterlagen werden zunächst auf Papier erstellt und nach Abschluss der Behandlung gescannt, so dass letztlich ein "papierarmes Krankenhaus" entsteht.

Eine Patientenakte - derzeit in Papier- und künftig in elektronischer Form - umfasst alle Behandlungsunterlagen des Patienten. Dazu gehören die Befunde sämtlicher Untersuchungen wie z. B. von Labor, Röntgen und EKG, sowie die Dokumentation der durchgeführten Behandlungen, z. B. Operationsberichte, aber auch die Arztbriefe, die an weiterbehandelnde Ärzte verschickt werden, und meist von drei Klinikärzten (Assistenz-, Ober- und Chefarzt) unterschrieben und damit rechtssicher gemacht werden.

Bestimmte Teile der Patientenakte stehen im Universitätsklinikum Heidelberg bereits in elektronischer Form zur Verfügung, u. a. Labor-, Röntgen- und Pathologiebefunde sowie seit kurzem auch Röntgenbilder, aber auch Operationsberichte und Arztbriefe. Zusätzlich können viele medizinischen Leistungen, z. B. Magen- und Darmspiegelung, elektronisch angefordert und mit digitalen Terminkalendern geplant werden.

Die erweiterte elektronische Patientenakte soll nun sukzessive im Heidelberger Klinikum eingeführt werden, zunächst in der Medizinischen Klinik. "Mit den Umzug in den Neubau der Medizinischen Klinik, der im kommenden Jahr stattfinden wird, ist die Umstellung auf die elektronische Patientenakte in der gesamten Klinik geplant", erklärte Prof. Herzog. Die Vision geht über das Klinikum hinaus und sieht eine Einbindung der kooperierenden Ärzte und Krankenhäuser im Rhein-Neckar-Gebiet in ein elektronisches Netzwerk vor, so dass medizinische Dokumente nicht mehr verschickt werden müssen und jedem Behandelnden unmittelbar zur Verfügung stehen.

Jedes Jahr werden 1,5 Kilometer Papierakten am Klinikum produziert

Die langfristigen Einsparungen durch eine elektronische Patientenakte können für das Klinikum erheblich sein: Der Transport der Akten vom Archiv zur Klinik und innerhalb des Klinikums entfällt, dadurch werden Personal- und Transportkosten reduziert. Die Archivierung der Papierakten und ihre Lagerung sind sehr aufwendig, die Dimensionen gewaltig: Jedes Jahr werden am Universitätsklinikum ca. 1,5 Kilometer Akten produziert, die mindestens 30 Jahre (stationärer Bereich) oder mindestens 10 Jahre (ambulanter Bereich) aufbewahrt werden müssen. Elektronischer Speicherplatz ist dagegen vergleichsweise kostengünstig verfügbar.

Neben der schnellen Verfügbarkeit, der Rechtssicherheit und der Unverfälschbarkeit der elektronischen Patientenakte muss der Datenschutz gewährleistet sein. Jeder Einblick in eine Akte, die nicht im unmittelbaren Versorgungsbereich des jeweiligen Arztes liegt, etwa bei einem Notfall, wird dokumentiert und muss von dem Nutzer der Akte begründet werden. Der Datenschutzbeauftragte des Klinikums untersucht regelmäßig Stichproben dieser Dokumentationen

Weitere Informationen im Internet: www.archisig.de.

Bildunterschrift: In simulierten Gerichtsprozessen wurde die juristische Gültigkeit der elektronischen Langzeitsignatur bei Rechtsverfahren nachgewiesen.
Bildquelle: Medienzentrum des Universitätsklinikums Heidelberg

zuletzt bearbeitet: 17.10.2003 nach oben

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