Das unabhängige Diabetes-Portal DiabSite

Home > Aktuelles > Diabetes-Nachrichten > Archive > 2003 > 030826

Doppelt so viele Amerikaner wie Deutsche profitieren von der Insulinpumpentherapie

Pressemitteilung: Medtronic GmbH

Deutlicher Nachholbedarf in Deutschland

Insulinpumpen Paris - 26. August 2003. Bei der heutigen Pressekonferenz im Rahmen des Kongresses der IDF (International Diabetes Federation) in Paris berichteten Ärzte, dass Tausenden Patienten in Europa der Zugang zur Insulinpumpentherapie verwehrt wird.

Eine Insulinpumpe hat etwa die Größe einer Scheckkarte und ahmt durch die kontinuierliche Abgabe der richtigen Insulinmenge die normale Funktion der Bauchspeicheldrüse am besten nach, um den Blutzuckerspiegel zwischen den Mahlzeiten sowie nachts im Normbereich zu halten. Pumpenträger können sowohl die Grundinsulinzufuhr programmieren als auch gut auf mahlzeitbedingten Insulinbedarf reagieren. Dadurch werden bei vielen Patienten konstantere Blutzuckerspiegel erreicht und ein flexibler Lebensstil ermöglicht - tägliche Injektionen werden überflüssig.

Daten einer europaweiten Befragung von Diabetologen belegen, dass in Europa nur sehr wenige Menschen mit Diabetes von den Vorteilen einer Insulinpumpentherapie profitieren. Zwar sind die Zahlen für Betroffene in Deutschland im europäischen Vergleich besser, jedoch stehen diesen 11 Prozent ungefähr 20 Prozent Insulinpumpenträger in den USA gegenüber.[1,2]

Dr. Michel Pinget vom Centre Hospitalier Universitaire in Straßburg meinte dazu: "Die Insulinpumpentherapie hat große Vorteile für den Patienten - sowohl in medizinischer Hinsicht als auch persönlich, denn der Betroffene kann wieder ein normaleres Leben führen. Dass Tausende europäischer Patienten sich dieser Therapiemöglichkeit nicht bewusst sind oder keine Chance bekommen, sie zu nutzen, ist eine Tragödie."

Aus der Sicht eines Patienten

Bei der Konferenz war Melissa Ford vor Ort, eine Diabetikerin, die gute Erfahrungen mit der Insulinpumpentherapie gemacht hat: "Ich habe mit der Insulinpumpentherapie begonnen, als ich 14 Jahre war. Dies hat mein Leben nicht nur verändert - nein, ich habe ein neues bekommen. Mein erster Gedanke, als ich mit 12 Jahren von der Diagnose Typ-1-Diabetes erfahren habe, war, dass ich nicht so enden möchte wie eine enge Freundin der Familie. Sie starb mit 54 Jahren an Folgeerkrankungen.

Die enge Kontrolle meines Blutzuckerspiegels reduziert mein Risiko, an folgenschweren Langzeitkomplikationen zu erkranken, und ich kann die täglichen Herausforderungen meines aktiven, interessanten Lebens meistern: Ich kann essen, schlafen und Sport treiben und alles mit weniger Angst vor den möglichen Komplikationen. Es ist kaum zu glauben, dass so wenige Ärzte in Großbritannien über die Insulinpumpentherapie Bescheid wissen und dass so wenig Betroffene sie nutzen können.

Europaweite Befragung von Ärzten

Dr. Pinget berichtete über die Ergebnisse einer europaweiten Befragung, derzurfolge augenblicklich nur 1,3 Prozent der Typ-1-Diabetiker in Großbritannien, 1,2 Prozent in Italien, weniger als 5 Prozent in Frankreich und 11 Prozent in Deutschland von der Insulinpumpentherapie profitieren.ein Im Gegensatz dazu nutzen in Amerika circa 20 Prozent der Menschen mit Diabetes Insulinpumpen, um ihre Krankheit in den Griff zu bekommen.[2] Darüber hinaus zeigen die Daten, dass über die Hälfe der Ärzte aus den USA, die an Typ-1-Diabetes erkrankt sind, eine Insulinpumpe nutzen, anstatt täglich Insulin zu spritzen.[3]

Moderne Technologie des kontinuierlichen Glukose-Monitoring-Systems

Eine gesunde Bauchspeicheldrüse erfüllt zwei wichtige Aufgaben. Sie gibt kontinuierlich Insulin ab und kontrolliert exakt den Blutzuckerspiegel, um die Insulinmenge immer dem Bedarf anpassen zu können. Die moderne Insulinpumpe führt dem Körper genaue Mengen Insulin zu. Heute ist es dank einer fortschrittlichen Technologie in Form des CGMS-Systems Gold möglich, Blutzuckerspiegel von Diabetikern rund um die Uhr aufzuzeichnen. Dadurch bekommen Ärzte zusätzliche, rückblickende Informationen, durch die sie die Diabetes-Therapie optimieren können.

Dr. Eric Renard, Centre Hospitalier Universitaire Montpellier, begrüßte die Einführung des CGMS-Systems Gold in Europa. "Mit dem CGMS-System Gold gewinnen wir ganz neue Erkenntnisse über die täglichen Blutzuckerschwankungen. Patienten können den Sensor bequem bis zu drei Tage tragen. Das CGMS-System führt im Gegensatz zu den vier Blutzuckerkontrollen, die Patienten im Allgemeinen mit Blut aus dem Finger durchführen, 288 Messungen pro Tag durch und liefert den behandelnden Ärzten somit 72 Mal mehr Informationen."

Dr. Renard fügte hinzu: "Der Einsatz des CGMS-Systems Gold ist mit dem Anschauen eines Films in voller Länge anstatt des Betrachtens einzelner Bilder einer Szene zu vergleichen. Man erhält ein vollständiges Bild des Blutzuckerprofils und kann dadurch auch schlecht eingestellte Patienten erkennen, von denen man irrtümlich annimmt, sie seien bereits gut eingestellt. Viele meiner Patienten waren über die Anzahl ihrer nächtlichen Hypoglykämien erschrocken. Mit dem CGMS-System Gold sind diese potentiell gefährlichen Situationen leicht zu erkennen und zu behandeln."

Technologiezusammenführung: der künstliche Pankreas

Mit diesen jetzt verfügbaren und bewährten Technologien können wir eine echte künstliche Bauchspeicheldrüse entwickeln, die die Eigenschaften einer modernen Insulinpumpe und die Fähigkeit der kontinuierlichen Glukosemessung wie die des CGMS-Systems Gold vereint. Ein derartiges Gerät müsste im Minutentakt, den Bedürfnissen des Körpers entsprechend, Insulin abgeben. Dadurch soll die Blutzuckerkontrolle der Betroffenen verbessert werden und ihnen die Freiheit gegeben werden, ein normaleres Leben zu führen.

Literaturverzeichnis

  1. European Treatment Technology Survey of Diabetes Specialists, im Auftrag von Medtronic.
  2. Industry estimates.
  3. Diabetes Educator, 2000; 26:460; How Diabetes Specialists Treat Their Own Diabetes: Findings From a Study of the AADE and ADA membership.

Bildunterschrift: Insulinpumpen von Medtronic/Minimed
Bildquelle: Medtronic GmbH

Das könnte Sie auch interessieren:

  • Insulinpumpen - Eine Übersicht auf dem Diabetes-Portal DiabSite.

zuletzt bearbeitet: 26.08.2003 nach oben

Unterstützer der DiabSite:

Lasar Liepins

Lasar Liepins

Weitere Angebote:

Diabetes- und weitere Infos in Fremdsprachen

Angesichts der vielen Flüchtlinge zeigt DiabSite, wo es Diabetes- und weitere Gesundheitsinfos auf Arabisch, Persisch, Russisch etc. gibt.