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Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft sieht sich vor großen Herausforderungen

"Diabetes erforschen und verhindern, behandeln und heilen"

Mit "dramatisch steigenden Zahlen" an Diabetikern rechnet die Deutsche Diabetes-Gesellschaft in den kommenden Jahren. Doch schon jetzt ist die Zahl der Diabetiker in Deutschland weit höher als bisher bekannt: So litten in einer repräsentativen Bevölkerungs-Stichprobe in der Region Augsburgs rund acht Prozent der Menschen an einem bekannten Diabetes. Weitere acht Prozent waren zuckerkrank, ohne dies zu wissen.

Bei der Erhebung wurde ferner festgestellt, dass 16 Prozent der Bevölkerung Auffälligkeiten hinsichtlich ihres Kohlenhydratstoffwechsels aufweisen, die mit einem sehr hohen Risiko für die Entwicklung eines Diabetes einher gehen und von den Experten auch als Vorstufe der Erkrankung bewertet und als Prädiabetes bezeichnet werden. "Damit sind rund 40 Prozent der Bevölkerung hinsichtlich ihres Zuckerstoffwechsels auffällig und es ist folglich mit einem weiteren extremen Ansteigen des Diabetes in unserer Gesellschaft zu rechnen", erklärte Professor Dr. Wieland Kiess aus Leipzig als neuer Präsident der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) beim 38. Jahreskongress der Gesellschaft in Bremen.

Bereits jetzt aber ist der Diabetes mellitus nach seinen Worten in allen Altersstufen die häufigste chronische Erkrankung. Vor dem Hintergrund der geschilderten Daten müsse deshalb alles daran gesetzt werden, durch aktive Bemühungen um die Prävention ein weiteres Ansteigen der Krankheitszahlen zu verhindern. "Die Zeit des Diskutierens um die besten Strategien ist vorbei, wir müssen endlich handeln", forderte Kiess in Bremen.

Wissenschaftliche Arbeit und zugleich Ansprechpartner für die Diabetiker

Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft nimmt diese Herausforderung nach seinen Worten an. Ihr Motto laute "Diabetes erforschen und verhindern, behandeln und heilen", womit die Gesellschaft laut Kiess ihre Kernkompetenzen verdeutlicht. Primär ist die DDG nach seinen Worten eine wissenschaftliche Fachgesellschaft. "Die Evidence basierte Medizin ist uns ein großes Anliegen. Doch wir verstehen uns gleichzeitig als Ansprechpartner für die Diabetiker, denn der Patient steht immer im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Arbeit", erklärte der Diabetologe.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse müssen nach seinen Worten noch stärker in die Öffentlichkeit getragen werden und es müsse dafür gesorgt werden, dass durch das Bündeln der Anstrengungen und Ressourcen auf vielen Ebenen für mehr Bewusstsein um die Probleme des Diabetes mellitus und insgesamt für mehr Prävention gesorgt werde. Dabei gehe es zum einen um das Verhindern der Diabetes Entstehung und zum anderen um das Verhindern von Folgeschäden, wenn die Erkrankung bereits aufgetreten ist. "Rund 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung haben von ihren Erbanlagen her die Voraussetzung für die Entstehung eines Diabetes", erläuterte dazu Professor Dr. Hans Hauner aus München anlässlich einer Pressekonferenz zur Jahrestagung in Bremen "16 Prozent der Bevölkerung sind bereits Diabetiker und weitere 16 Prozent sind hochgefährdet".

Nationales Präventionsprogramm wird erarbeitet

Wie dramatisch die Entwicklung ist und wie ernst die DDG die aktuelle Situation einschätzt, zeigt die Gründung der "Arbeitsgruppe Prävention des Typ-2-Diabetes durch LifeStyle-Änderungen", die Professor Dr. Jan Schulze aus Dresden in Bremen bekannt gab. Auch Schulze machte darauf aufmerksam, dass insbesondere die Zahl der Typ-2-Diabetiker in Deutschland dramatisch ansteigt und das nicht nur bei den älteren Menschen, sondern auch bei den jüngeren Erwachsenen und sogar bei Kindern und Jugendlichen.

Die Ursachen liegen in der ungesunden Lebensführung, die von überkalorischer Kost und damit von Übergewicht und Fettleibigkeit sowie von Bewegungsmangel geprägt ist. Das beginnt schon im Kindesalter und die Adipositas, also die Fettleibigkeit, ist selbst bei Kindern und Kleinkindern nach Kiess längst keine Rarität mehr. Mit dem Übergewicht aber steigt die Gefahr, dass schon Kinder und Jugendliche an einem Typ 2 Diabetes, der früher auch als Altersdiabetes bezeichnet wurde, erkranken. Rund 5.000 Kindern dürften, so die Schätzungen, hierzulande bereits heute diese gravierende Störung des Stoffwechsel aufweisen und damit auch mit einem hohen Risiko für die Entwicklung von Herz- und Gefäßerkrankungen behaftet sein.

In kontrollierten Studien wurde andererseits gut dokumentiert, dass sich die Häufigkeit des Diabetes durch eine Änderung des Lebensstils erheblich senken lässt und das einer finnischen Untersuchung zufolge sogar um bis zu 58 Prozent. Primär geht es dabei um eine Reduktion des Körpergewichtes. Ebenso wichtig aber ist eine verstärkte körperliche Aktivität und das bei Erwachsenen wie auch bei Kindern und Jugendlichen "Wir wissen, dass die durchschnittliche Gehstrecke der Kinder in den letzten zehn Jahren um das Achtfache gegenüber früher abgenommen hat", betonte Professor Kiess. Prävention muss nach seinen Worten deshalb schon in den Schulen und in den Kindergärten beginne. "Schon hier muss Prävention ansetzen", sagte Kiess. Die DDG will sich deshalb künftig noch stärker als bisher um die Prävention des Diabetes mellitus bemühen.

zuletzt bearbeitet: 03.06.2003 nach oben

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