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KKH kritisiert Gesundheitspolitik der Bundesregierung

Pressemitteilung: KKH-Allianz

Vorstandsvorsitzender Ingo Kailuweit stellt Jahresbericht 2000 vor

KKH steuert mit neuen Modellversuchen gegen den Kostendruck

Hannover, 10.7.2001 - Eine Erhöhung der Beiträge für die gesetzliche Krankenversicherung hält Ingo Kailuweit, Vorsitzender des Vorstands der Kaufmännischen Krankenkasse - KKH, für unausweichlich. "Kaum eine Kasse wird ungeschoren davonkommen - trotz anders lautender Beteuerungen", sagte Kailuweit bei der Präsentation des KKH-Jahresberichts 2000 am Dienstag in Hannover. "Ich gehe davon aus, dass spätestens in den ersten Monaten des kommenden Jahres eine flächendeckende Beitragsanpassung notwendig sein wird."

Kailuweit warf der Bundesregierung vor, zu wenig gegen die Ausgabensteigerung bei den großen Krankenkassen zu unternehmen. Sie müsse die Ungleichheit zwischen den sogenannten Handykassen und den traditionellen Kassen sofort regulieren. "Frau Schmidt darf nicht warten, bis der letzte Gesunde den traditionellen Kassen den Rücken gekehrt hat". Die KKH fordert von der Bundesregierung, bald ein umfassendes Reformpaket vorzulegen. Sofort notwendig sei ein Krisenprogramm. Dies müsse folgende Punkte umfassen:

Direkte Vertragsabschlüsse zwischen Kassen und Leistungserbringern.

Die Zahlungen aus dem Risikostrukturausgleich (RSA) müssten sich an den Kosten orientieren, die die Versicherten tatsächlich verursachen, und nicht an einer fiktiven Größe, wie dies zurzeit der Fall ist. Obwohl die jungen, leistungsfähigen BKK-Versicherten ihren Kassen kaum zur Last fielen, erhielten diese spezielle Gutschriften aus dem RSA, etwa beim Ausgleich für Arzneimittel. Obwohl die BKKn keine Steigerungen der Ausgaben zu verzeichnen haben, erhalten sie Überweisungen aus dem RSA gemäß der fiktiven Abrechnungsgrundlage.

Rasches In-Kraft-Treten der sogenannten Positivliste, welche die verordnungsfähigen Arzneimittel aufzeigt.

"Die Zeche für eine Gesundheitspolitik, die in Lethargie versunken ist und ihre selbst gesteckten Ziele aus den Augen verliert, bezahlen die Mitglieder der Krankenkassen und ihre Arbeitgeber", sagte Kailuweit

Mit ihren rund 2,1 Millionen Versicherten ist die KKH die viertgrößte bundesweit tätige Krankenkasse, in den östlichen Bundesländern steht sie an dritter Stelle. Im Jahr 2000 traten ihr mehr als 100.000 neue Mitglieder bei. Die Kasse erzielte 2000 einen Einnahmenüberschuss von 53 Millionen Mark bei einem Gesamtetat von 8,3 Milliarden Mark. Im Berichtsjahr gab die KKH je Mitglied 3,5 Prozent mehr für Leistungen aus als im Jahr 1999.

Die größten Sprünge verzeichnete die Kasse bei den Ausgaben für Zahnersatz. Je Mitglied wuchsen die Ausgaben im Westen um 8,7 Prozent, im Osten um 15,7 Prozent. Das hängt damit zusammen, dass die Bundesregierung das Prinzip von Privatliquidierung und Festzuschüssen beim Zahnersatz aufgegeben hat und wieder zum Sachleistungsprinzip zurückgekehrt ist.

Auch die Ausgaben für Arzneimittel zogen im Jahr 2000 kräftig an: um 8,2 Prozent im Westen, um 10,6 Prozent im Osten. Größter Ausgabenposten sind mit knapp 2 Milliarden Mark die Kosten für Krankenhausbehandlungen. Je Mitglied stiegen die Ausgaben um 3,1 Prozent (West) beziehungsweise 7,1 Prozent (Ost) an.

Einen spürbaren Spareffekt erhofft sich die KKH mit der Einführung von Disease-Management-Programmen. Bundesweit sollen sie laut Gesetz erst in zwei Jahren eingeführt werden. Die KKH hat zwei Modellprojekte von der Aufsichtsbehörde genehmigt bekommen. Einem ausgewählten Kreis von Asthmatikern bietet die Kasse ein spezielles Gesundheitsprogramm an. Es umfasst Seminare zum Thema und eine telefonische Fach-Betreuung zwischen 7 und 22 Uhr (samstags bis 14 Uhr). Die Patienten erhalten ein Atemstoßgerät, mit dem sie die objektiven Werte ihrer Lungenfunktion ermitteln. Anhand der Messungen können Medikamente besser dosiert werden. Durch die telefonische Betreuung und die Schulung erhält der Patient ein umfassenderes Verständnis von seiner Krankheit. Er kann dem niedergelassenen Arzt gegenüber kompetenter auftreten. Seine Telefonbetreuer führen seine Krankenakte (die KKH erhält keinen Einblick) und können ihn gegebenenfalls und vor allem frühzeitig zu Fachärzten schicken. Die KKH erhofft sich mit dieser gezielten Betreuung eine Kostenersparnis von bis zu 35 Prozent bei Krankenhaus- und Krankengeldzahlungen.

Für den Modellversuch Rückenleiden hat die KKH einen neuartigen Kontrakt mit einer Klinik geschlossen. Die Kurklinik wird nach dem Erfolg der Behandlung bezahlt. Sie erhält die letzten zehn Prozent ihrer Honorare für eine ausgesuchte Patientengruppe der KKH erst 24 Monate nach Kurende, sofern die Kosten für Krankengeld und Krankenhaus für die behandelte Patientengruppe während dieser Zeit gesunken sind.

Für Rudolf Hauke, Mitglied des Vorstands der KKH, weisen diese beiden Beispiele den Weg in die Zukunft einer modernen Krankenkasse: "Die Qualität der Gesundheitsversorgung hängt sehr davon ab, mit welchem Ziel sie gesteuert wird." Mit Behandlungsleitlinien ließen sich unnötige Untersuchungen vermeiden. "Das System funktioniert effizienter, und der Patient weiß, auf welche Qualität der Versorgung er einen verbrieften Anspruch hat."

zuletzt bearbeitet: 10.07.2001 nach oben

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