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Kompetenzzentrum: 50 Jahre Deutscher Diabetiker Bund

Interview mit dem DDB-Bundesvorsitzenden Dr. Klaus Fehrmann

Am Samstag, 23. Juni 2001 feiert der Deutsche Diabetiker Bund (DDB) in Kassel sein 50jähriges Bestehen. Im Vorfeld beantwortet Dr. Klaus Fehrmann, Bundesvorsitzender der größten deutschen Diabetiker-Selbsthilfegruppe, Fragen: Was hat der DDB geleistet? Welche Schwerpunkte setzt der Deutsche Diabetiker Bund in Zukunft? Hier das Interview.

50 Jahre Deutscher Diabetiker Bund (DDB): Was macht Sie und Ihren Verband besonders stolz?

Dr. Klaus Fehrmann: Dass wir nunmehr seit 50 Jahren die Interessen einer ständig wachsenden Zahl chronisch kranker Menschen erfolgreich vertreten - vor allem durch ehrenamtliches Wirken auf Bundesebene sowie in 16 Landesverbänden und über 700 Selbsthilfegruppen in Regionen und Gemeinden. Wir merken, dass dem DDB seitens der Gesundheitspolitiker in Bund und Ländern immer mehr Kompetenz zugeschrieben wird. Das - zusammengenommen - macht uns stolz.

Was sind in Ihren Augen die größten Errungenschaften des DDB seit 1951?

Fehrmann: Große Errungenschaften sind: Wir haben über 40.000 Mitglieder; wir sind anerkannte Gesprächspartner von Fachleuten wie von Betroffenen; wir arbeiten heutzutage sehr gut zusammen mit der Ärzte-Fachgesellschaft "Deutsche Diabetes-Gesellschaft"; wir sind in der Lage, alle zwei Jahre den Deutschen Diabetikertag mit 10.000 Besuchern auszurichten. Und: Wir wirken auf Länderebene aktiv mit wenn es darum geht, Diabetes-Vereinbarungen für eine bessere Diabetikerversorgung abzuschließen.

Was macht Sie traurig, wenn Sie die Arbeit des Deutschen Diabetiker Bundes betrachten bzw. auf Ihr jahrzehntelanges Engagement zurückblicken?

Fehrmann: Leider ignorieren sogenannte Experten aus Medizin und Gesundheitspolitik immer noch die Rolle einer Selbsthilfeorganisation. Und leider ist unsere Mitgliederzahl in Relation zur Millionenklientel der Betroffenen als gering zu betrachten. Trotzdem: Der Deutsche Diabetiker Bund vertritt die Interessen aller mindestens 5 Mio. Diabetiker in Deutschland - egal ob sie nun organisiert sind oder nicht.

Für welche Ziele werden Sie in den nächsten Monaten und Jahren besonders Energie aufwenden?

Fehrmann: Wir setzen sehr stark auf Öffentlichkeitsarbeit; wir versuchen deutlich zu machen, dass nur eine Organisation gesundheitspolitische Forderungen nachdrücklich und erfolgreich durchsetzen kann - leider gibt es viele Selbsthilfegruppen als eingetragene Vereine, die sich nicht dem DDB anschließen wollen. Dann: Der DDB wird ein "Diabetiker-Kompetenzzentrum" entwickeln - mit klaren und greifbaren Leistungen für alle Mitglieder und solche, die es bisher nicht werden wollten. Last but not least: Der DDB setzt stark darauf, weitere Fördermitglieder zu gewinnen; bisher werden wir von rund 80 Förderern unterstützt.

Es gibt Experten, die immer wieder fordern, dass sich die Betroffenen mehr engagieren müssten, um gesundheitspolitisch etwas zu bewegen: Zeigt der DDB zu wenig Flagge?

Fehrmann: Diejenigen, die unsere Flagge nicht sehen, müssen blind sein: Wir fordern für alle Bundesbürger eine wirksame Diabetes-Prävention sowie flächendeckende Betreuungssysteme. Wir fordern, dass Diabetiker qualitativ hochwertig betreut werden, und dass das, was man über Diabetes heute schon weiß, auch berücksichtigt wird in der täglichen Betreuung der Betroffenen - hier liegt einiges im Argen: Zum Beispiel werden jährlich Tausende Füße von Diabetikern unnötig amputiert, nur weil unter Ärzten nicht konkret geklärt ist, wie der diabetische Fuß zu behandeln ist. Weiterhin fordern wir, dass die Routine-Untersuchungen für Diabetiker gesichert sind, mit denen man Folgeerkrankungen verhindern bzw. früh erkennen kann; dasselbe gilt auch für die erforderlichen Laborleistungen.

Wie ist die Prognose für Ihre Selbsthilfegruppenarbeit: Wird der DDB einflussreicher?

Fehrmann: Ja. Selbsthilfegruppen vermitteln in steigendem Maße Wissen über die Schulung als Bestandteil der Therapie hinaus, stärken die Betroffenen, tragen zum Erfahrungsaustausch bei und fördern das Selbstbewusstsein der Betroffenen; sie geben Raum für Diskussion und Aussprache, und sie fördern die Teilnahme insbesondere älterer Menschen am geistig-kulturellen Leben. Damit wird auch positiv das Zusammenwirken zwischen Arzt und Patienten beeinflusst.

Welche Rolle spielen die Medien dabei, Diabetes in der Bevölkerung zu verhindern, zu bekämpfen?

Fehrmann: Medien sehe ich in ihrer gesellschaftlichen Verantwortung zur gesundheitlichen Aufklärung, zur Propagierung einer gesunden Lebensweise und im Kampf gegen ein "Wohlstandssyndrom"; so können die Medien auch hinweisende Streiter für die Früherkennung des Diabetes mellitus und seiner Folgeerkrankungen sein: Blindheit, Dialyse, Amputationen, Herzinfarkt und Schlaganfall.

zuletzt bearbeitet: 20.06.2001 nach oben

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